96 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2
zwischenzeitlich durch Übernahmen anderer Hersteller, Zusammenle-gungen und Neugründungen. Bis heute produziert das Unternehmen inWien für den internationalen Markt, unter anderem Faksimile- Reprintshistorischer Tarockkarten.
Dem Tarockieren wurde nicht nur am ländlichen Wirtshaustischoder im Kaffeehaus gefrönt. Es war in den vornehmsten Gesellschafts-kreisen beliebt und eine Leidenschaft bekannter Persönlichkeiten, dar-unter auch Frauen wie Marie von Ebner- Eschenbach. Es ist aber nichtunbedingt notwendig, dieses Spiel selbst zu betreiben und seine Regelnzu beherrschen, um sich für die Geschichte des Tarock zu interessierenund Gefallen an den Bildinhalten der speziell dafür verwendeten Spiel-karten zu finden.4
Die italienischen Ursprünge eines österreichischen>> Nationalspiels<<
Die Anfänge des Tarockspiels werden zwischen 1430 und 1440 in Italienvermutet, erste Belege finden sich seit 1442.5 Verwendet wurden dafürKarten mit den klassischen italienischen Farbzeichen spade(» Schwer-ter«), bastoni(» Stäbe«), coppe(» Becher«) und denari(» Münzen«) – wobeihier zu erinnern ist, dass bei den Spielkarten der Begriff» Farbe« ent-sprechend der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes im Sinne von» Eigenschaft«<,>> Merkmal« verwendet wird und sich nicht auf die Farb-gebung der Symbole bezieht. Zu den im italienischen Farbsystem ver-wendeten Figuren re(» König«), cavallo(» Reiter«) und fante(» Bube<<)gesellten sich beim Tarock die dame(» Dame«) sowie 21 anfänglichnicht nummerierte – trionfi(» Trumpfkarten«) mit allegorischen Darstel-lungen und eine weitere Karte mit einer Narrenfigur ohne Stichkraft. ZuBeginn des 16. Jahrhunderts wurde in Italien die Bezeichnung tarocchi fürdie Trumpfkarten üblich, wovon sich wohl der deutsche Name Tarockableitet.
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4 Vgl. Wolfgang Mayr, Robert Sedlaczek: Die Kulturgeschichte des Tarockspiels.Wien 2015.
5
Hans- Joachim Alscher( Hg.):» Tarock«, mein einziges Vergnügen... Geschichte eineseuropäischen Kartenspiels. St. Pölten 2003(= Kataloge des NÖ Landesmuseums,NF Nr. 442), S. 30 ff.