Jahrgang 
119 (2016) / N.S. 70
Seite
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neuerDings

>> Industrie und Glück«- ein Tarockspiel aus Wien

Mit einem Konvolut an Gegenständen aus einem Wiener Haushalt wur-den dem Volkskundemuseum Wien im Jahr 2015 auch Kinderspiele undSpielkarten für seine grafische Sammlung geschenkt.

Unter diesen Neuerwerbungen stach ein Kartenspiel mit Genresze-nen besonders heraus. Es handelt sich dabei um sogenannte Industrie-und- Glück- Tarockkarten der Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik& Söhne. Bei dem kompletten Kartensatz sind noch Reste des zwi-schen 1900 und 1920 verwendeten österreichischen Steuerstempels aufHerz- Ass zu erkennen. Die obligatorische Stempelung diente bis nachdem Zweiten Weltkrieg als Nachweis der gesetzlichen Steuerabgabe ·( Glücks) Spiele wurden schon früh vom Staat kontrolliert und lizensiert- und kann bei der Datierung helfen.² Weiters waren laut Dieter Strehlvon der Firma Piatnik die auf Treff- Bube ausgewiesenen Firmenadres-sen>> Wien, Hütteldorferstr. 227« nur zwischen 1903 und 1912 gültig und» Budapest, Rottenbillergasse 17« erst ab 1904 aktuell. Demnach wurdendie Karten zwischen 1904 und 1912 produziert.³

Österreich und Kartenspiel sind wahrscheinlich nicht nur für dieKuratorin seit der Kindheit untrennbar mit diesem Firmennamen ver-bunden. Der aus dem ungarischen Ofen( heute Budapest) stammendeFerdinand Piatnik( 1819-1885) fand nach seiner Lehrzeit Arbeit in derKartenmalerei von Anton Moser in Wien. Nach dessen Tod im Jahr 1843heiratete er die Witwe und führte den Betrieb unter dem Namen Piatnikweiter. Mit dem Eintritt der Söhne in die Firma im Jahre 1882 erhieltdiese ihre noch heute gültige Bezeichnung. Der Familienbetrieb wuchs

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Industrie- und- Glück- Tarock( ÖMV/ 87.529), Schema 5, 54 Blatt, Doppelbild,

Lithografie, schablonenkoloriert, Rückseite ornamentales Rocaillenmuster blau aufweiß, H: 12,5 cm, B: 6,8 cm.

Nicht immer wurden die Karten bereits zum Zeitpunkt ihrer Produktion gestem-pelt. Nach 1882 gibt der am unteren Rand der Steuerstempel ausgewiesene Wertzusätzlich Auskunft über die Anzahl und Qualität( lackiert oder waschbar) derKarten. An den vorgeschriebenen Abgaben lassen sich auch die Höhe der verkauftenSpielkarten ablesen.

3 Dieter Strehl, Geschäftsführer der Firma Piatnik& Söhne, sei an dieser Stelle fürseine Auskünfte zu den Piatnik Spielkarten im Museumsbestand gedankt.

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