Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Nikitsch, Herbert: »Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais : zwei fachgeschichtliche Assoziationen
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Herbert Nikitsch,» Volkskunde für Jedermann«& Adolf Mais

Ich habe die»> Volkskunde für Jedermann«< als Aufhänger strapaziert,um Kontinuität und Bruch des volkskundlichen Wissens in der Nach-kriegszeit anzudeuten. Dabei stand die thematisierte Publikation fürjenen retrospektiven Mainstream, der hierzulande bis weit in die 70erJahre das Fach geprägt hat; ihr Herausgeber hingegen wurde zumindestzwischen den Zeilen als wenngleich bescheidener Vorläufer einer nichtnur musealen, sondern auch disziplinären» Grenzüberwindung« geschil-dert. Hie Rück-, da Fortschritt, so könnte man also auf den ersten Blickresümieren. Doch stehen solcher fachgeschichtlichen Kategorisierungzweierlei Bedenken entgegen. Zum einen, dass beide dieser an einemEntwicklungsprozess ausgerichteten Sichtweisen, so diametral einanderentgegengesetzt sie auch sein mögen, Gefahr laufen, jener» Whig Inter-pretation of History« 70 zu folgen, mit der schon vor langem die prin-zipielle Schwierigkeit jeden( fach) historischen Bemühens bezeichnetwurde,>> die Wahrnehmung der Geschichte nicht in den Selbstdeutungender Gegenwart aufgehen zu lassen« 7. Und wenn damit zugleich auch dieForderung angesprochen ist, der Komplexität geschichtlicher Prozessegerecht zu werden, so ist der zweite Grund zu gebotener Zurückhaltungangesprochen. Denn so klar und eindeutig liegen die Dinge rund umdie Mais'sche Idee eines» Ostmuseums« ja nicht. Schon das Umfeld, indem der Plan dazu zunächst ventiliert wurde, bringt auf Spuren, denenweiter nachgegangen werden müsste.72 Denn mit seinen Vortragsrei-hen, Vorlesungen und Publikationen in der» Arbeitsgemeinschaft Ost<< 73befand sich Mais auf einem jener institutionellen Terrains, die in derösterreichischen Nachkriegszeit ihre Unebenheiten hatten zumindestin personeller Hinsicht. So übernahm die 1958 gegründete» Arbeitsge-meinschaft Ost<<>> teilweise die ehemaligen Mitglieder der SOFG; ebensoauch die wenigen überlieferten Materialien wie Karten und die Über-setzungsreihe, die von der Pu- Stelle hergestellt wurden<< 74 wobei mit

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Herbert Butterfield: The Whig Interpretation of History. London 1931, S. 17.Ute Daniel: Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter.Frankfurt a. M. 2006, S. 363.

72 Und auf die dankenswerterweise Birgit Johler aufmerksam gemacht hat.Aus der 1964 das( 2006 geschlossene)» Österreichische Ost- und Südosteuropa-Institut<< hervorgegangen ist.

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Michael Fahlbusch: Südostdeutsche Forschungsgemeinschaft. In: Ingo Haar undders.( Hg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Personen- Institutionen-Forschungsprogramme- Stiftungen. München 2008, S. 688-697, hier S. 696.

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