Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Nikitsch, Herbert: »Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais : zwei fachgeschichtliche Assoziationen
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82 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2

von einer>> europäischen Völkerkunde« oder» europäischen Volkskunde<<oder»> Volkskunde Europas«< manifestierte, die sich noch Jahrzehnte spä-ter in Publikationen von Michael und Arthur Haberlandt findet- zueiner Zeit also, als mit dem Ersten Weltkrieg ein» vordem gemeinsamervolkskundlich- völkerkundlicher europäischer Forschungsraum[ bereits]nachhaltig beschränkt« ³7 worden war.

Diese» eigenwillige Vorgeschichte einer aktuellen Europäischen Eth-nologie«< 38 wurde schon beschrieben und als ein anderer wissenschaft-licher Seitenweg jener» merkwürdigen deutschen Sonderdisziplin« ³9gegenübergestellt, also der national perspektivierten Volkskunde, wie siein Deutschland von Anfang an und nach 1918 auch in der klein gewor-denen Republik Österreich dominiert hat. Dabei wurde auch deutlichgemacht, dass dieser Seitenweg damals, als Österreich noch das multi-ethnische Cisleithanien der Doppelmonarchie gewesen ist, vor allemin Richtung jener geographischen und thematischen» Osterweiterung«gezielt hat, die spätestens im Zuge der ethnographischen Flankierungder militärische Ausgriffe und Besetzungen während des Ersten Welt-kriegs zu jener» Balkankompetenz«< führte, die die damalige österreichi-sche Volkskunde für sich in Anspruch nahm.40 Mit einschlägiger lokalerDatensammlung und der vergleichenden Deutung der besetzten Balkan-gebiete die ambivalent einerseits als von» zivilisatorischer Rückstän-digkeit«<, andererseits als von» unverfälschtem volksmäßigen Wesen<<geprägt gesehen wurden 41- konnte sich diese Volkskunde ein disziplin-generierendes Programm geben ein Programm, das freilich im Wei-teren mit der Betonung des Führungsanspruches der Deutschen in derMonarchie eine immer stärkere> germanozentrische Färbung annahmund nach dem Ersten Weltkrieg gerade jenem» Entwicklungsprincip der

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Reinhard Johler: Auf der Suche nach dem» anderen«< Europa: Eugenie Goldsternund die Wiener>> Völkerkunde Europas«. In: Österreichische Zeitschrift für Volks-kunde, 59/108, 2005, S. 151–164, hier S. 151.

Ebd., S. 154.

Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starkerStaat. München 1983, S. 522.

Christian Marchetti: Balkanexpedition. Die Kriegserfahrung der österreichischenVolkskunde- eine historisch- ethnographische Erkundung(= Untersuchungen desLudwig- Uhland- Instituts der Universität Tübingen, 112). Tübingen 2013, S. 411.

Ebd.