Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde119 (2016) / N.S. 70Nikitsch, Herbert: »Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Volkskunde für Jedermann« & Adolf Mais : zwei fachgeschichtliche Assoziationen
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Herbert Nikitsch,» Volkskunde für Jedermann«& Adolf Mais

beherrschte und später seine Kenntnisse verschiedener slawischer Spra-chen beträchtlich erweiterte, hatte ab 1934 Völkerkunde, Volkskundeund Urgeschichte studiert und nach kriegsbedingter Unterbrechung 351947 bei den Völkerkundlern Dominik Josef Wölfel und Wilhelm Kop-pers über die Transhumanz in den Balkanländern, konkret über» Die ser-bokroatischen Ziehbauern. Eine volkskundliche Darstellung als Beitragzur Frage der Ziehbauernkultur<<, dissertiert eine Thematik, die Wöl-fel in einem noch vor Abschluss der Dissertation verfassten Empfeh-lungsschreiben für Mais an die Direktion des Museums für Volkskunde( also damals, 1946, an den Gymnasiallehrer Heinrich Jungwirth, der 1945bis 1951 die provisorische Leitung des Hauses innehatte) ausdrücklich her-vorhebt:» Herr Mais ist hinter sehr wichtigen, bisher in ihrer wahrenTragweite noch wenig bearbeiteten Problemen der Volkskunde und Völ-kerkunde her. Er kennt für die Volkskunde wichtige Gebiete aus eigenerAnschauung, beherrscht die Sprachen dieser Gebiete und hat damit dieLiteratur zugänglich.[...] Es wäre im Interesse der Volkskunde und derVölkerkunde, wenn ihm die Möglichkeit geboten würde, diese Wissen-schaften im Hauptberufe und an einem Institut auszuüben, das wie dasWiener Museum für Volkskunde über so reiche Bestände an Objektenund Büchern verfügt.<< 36

Mit diesem Hinweis auf die» reichen Bestände« spielt Wölfel aufjenen geographischen und thematischen Ausgriff an, der im WienerVolkskundemuseum schon früh angelegt war, nämlich durch jene»> Ver-gleichssammlung«<, wie sie die Museumsgründer angeregt haben. Wobeihier keine langen Reminiszenzen an die Anfänge der Wiener Volks-kunde in der Laudongasse nötig sind- also weder an die damaligen geo-politisch determinierten weiten, auf den gesamten cisleithanischen Raumzielenden Sammlungsinteressen und-intentionen noch an die damit ein-hergehende disziplinäre Gemengelage, wie sie sich etwa in jener Rede

35>> Vom November 1938 bis Mai 1945 war ich ununterbrochen eingerückt. MeinDienstgrad war Oberfeldwebel. Eine zeitweilige Versetzung nach Wien im Jahr1941 benutzte ich zur Ablegung der Ergänzungsprüfung aus Latein. Nach meinerHeimkehr im Oktober 1945 inskribierte ich noch zwei Semester an der philosophi-schen Fakultät. Am 27. Juni 1946 erhielt ich das Absolutorium der Wiener Univer-sität.<< Lebenslauf vom 2. Juli 1946, Personalakt Mais, Archiv des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde( ÖMV, PA Mais).

36 Schreiben von Wölfel an Direktion vom 11.10.1946( ÖMV, PA Mais).

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