32 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2
wolle das MAK sich künftig wieder weniger als Kunstmuseum, denn alsMuseum mit Nähe zum Alltagsleben verstehen, das den gesellschaftspo-litischen Auftrag des Gestalters in Geschichte und Gegenwart ins Zent-rum seiner Schauen rückt.”» Die Verbindung von angewandter Kunst,Design, Architektur und Gegenwartskunst zählt zu seinen Kernkompe-tenzen und hier wird sichtbar, welchen Beitrag die Wechselwirkung die-ser Bereiche für die kulturelle Entwicklung leisten kann.<< 78
Fazit: Die MAK- Studiensammlung und die neue Konjunkturder Depotschauen
Mit dem Umbau der einstigen Studiensammlung zum Design- Labor hatdas MAK den strukturellen Sammlungsbezug seiner Ausstellungen wei-ter reduziert. Die Materialordnung, die in die Genstruktur dieses Muse-ums eingeschrieben ist, bestimmt auf den ersten Blick nicht mehr dieAusstellungen des Museums: Sie sind thematisch geordnet und führenDinge aus unterschiedlichen Gattungen zusammen. In der kuratorischenPraxis prägt diese basale Struktur aber weiterhin die Ausstellungen,weil die Zuständigkeit der Kuratoren in der Regel nach wie vor entlangder alten Materialordnung verläuft. Die intime Kenntnis der Metall-,Glas- oder Möbelbestände des Museums führt dazu, dass die thematischgegliederten Sektionen immer wieder einzelne Materialien fokussieren.Auch 150 Jahre nach Einführung von Sempers Materialordnung im k.k.österreichischen Museum für Kunst und Industrie wirkt diese Struktur aufdie tägliche Museumsarbeit zurück.
Verändert hat sich das Selbst- und Objektverständnis des Museums,das seine Dinge nicht mehr als Exemplare versteht, die Handwerkernund Konsumenten vorbildliche Waren vorführen, sondern sie als kultur-historische Zeugen oder Werke der bildenden Kunst inszeniert.79 Das
77 Gespräch mit Christoph Thun- Hohenstein, seit 2012 Direktor des MAK,am 18.3.2014.
78 http://mak.at/das_mak/standorte( Zugriff: 8.4.2015).
79 Vgl. zur Werk, Exemplar und Zeuge als heuristische Kategorien für Museumsdinge
Thomas Thiemeyer: Work, specimen, witness. How different perspectives onmuseum objects alter the way they are perceived and the values attributed to them.In: Museume Society 3, 2015, S. 396-412. URL: http://www2.le.ac.uk/depart-
ments/ museumstudies/ museumsociety/ documents/ volumes/ thiemeyer.