Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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22 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2

mengetragen hatte. Diesem Zweck dienten die Dinge 1993 freilich nichtmehr. Sie sollten nicht mehr Handwerker belehren und Konsumentenerziehen, sondern waren kunst- oder kulturhistorisch geordnet undsollten» den Besucher[...] zu vergleichender Betrachtung anregen<«< 55.Die Ordnung der Objekte variierte in den Studienräumen:» Je nachKonzept des Sammlungsleiters sind innerhalb der materialbezogenenStudiensammlungen die kunstgewerblichen Objekte in typologische,historische oder funktionale Zusammenhänge gestellt.« 56 Entsprechendbunt waren die kuratorischen Ansätze und die didaktische Einhegungder Dinge: Die Möbel zeigten sich als Typologie der Stühle und Ses-sel, die zu Paaren in Hochregalen oder in drei Reihen aus 69 Stühlenan der Wand angebracht waren und als Anschauungsobjekte zur Gel-tung kommen sollten. 57 Die Metallsammlungen versuchten sich aneiner Typologie der Kerzenleuchter, Becher, Kannen und Schüsseln,um einen» Eindruck ihrer stilistischen und funktionalen Entwicklungs-stufen<< zu geben. Dabei griff die Kuratorin Elisabeth Schmuttermeierauch auf galvanoplastische Kopien zurück, um die Entwicklungen mög-lichst dicht nachzuzeichnen. Sie kommentierte Ensembles und wich-tige Einzelstücke mit Bereichs- und Exponattexten und ergänzte dieStudiensammlung um vier Tischvitrinen, in denen sie im regelmäßigenWechsel Bestände als kleine Ausstellungen präsentierte.58 Glas und Kera-mik hingegen waren bei regelmäßig wechselnden Präsentationen fürgewöhnlich chronologisch aufgestellt und in den ersten Jahren ebenfallsmit vereinzelten Hinweisschildern kommentiert.59 Die Textilsammlung

55 Aus dem einleitenden Raumtext der Studiensammlungen( vgl. auch Noever 2002[ wie Anm. 44], hier S. 130.).

56

Zit. aus Pressegespräch mit Peter Noever 1.2.1994( wie Anm. 17).

57 Gespräch mit dem Kurator der Studiensammlung, Christian Witt- Dörring, am20.3.2014. In einem zweiten Raum gab es wechselnde Präsentationen von Möbeln,zu der auch die permanent aufgebaute Frankfurter Küche zählte.

58

Zit. aus den Raumtexten zur Studien- und Metallsammlung. Auch abgedruckt inNoever 2002( wie Anm. 44), hier S. 130 und 144 f.

59 Vgl. die Abbildung in Noever 2002( wie Anm. 44), hier S. 139; Gespräche mitChristian Witt- Dörring und mit Elisabeth Schmuttermeier, Leiterin der SammlungMetall und des Wiener- Werkstätte- Archivs, am 20.3.2014.