Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet

Diese» Dokumentation von Vielfalt und Variantenreichtum<< in einerseparaten Studiensammlung wurde also erst durch das neue Konzeptder Künstlerräume in der Schausammlung nötig. Die Presse lobte artigdie Möglichkeit,» die Bestände des Hauses in nie dagewesener Fülle zuerleben<< was so nicht stimmte. 52 Bis dato hatte das MAK stets seineSammlungen in großer Fülle gezeigt. 1993 aber war diese Fülle auf einmalbemerkenswert, weil sie im Vergleich zu den ausgedünnten Schausamm-lungen und der vorhergehenden Debatte einen Wert an sich darstellte,den die Öffentlichkeit als solchen erst wahrnahm, nachdem er zeitweiligverloren schien.

In den Schausammlungen hatte das Museum die Objektzahl reduziertund unterschiedliche Bestände in Epochenräumen zusammengeführt.Im Epochenraum zu Romantik, Gotik und Renaissance stellte es denKabinettschrank aus Süddeutschland neben die bunte Majolikakanne ausUrbino und das Pluviale aus seidenbesticktem Leinen. Die ursprünglicheMaterialordnung der Museumsdinge war in den Schauräumen weitge-hend unterlaufen.53 An sie erinnerte die separate Studiensammlung alsReferenz an die Geschichte des Hauses und seine historisch begründeteSammlungsstruktur.54

Nicht von ungefähr nannte das Museum diesen Ausstellungsteil» Studiensammlung« und bezog sich damit auf die ursprüngliche Funk-tion der Objekte als Vorbildersammlung, die es für das genaue Studiumder Materialien und Handwerkstechniken im 19. Jahrhundert zusam-

52 Dieses Zitat dürfte aus der Presseabteilung des Museums stammen, findet es sichdoch wortgleich in verschiedenen Zeitungsartikeln, z. B. in Wiener Zeitung: MAK.Eröffnung der Studiensammlung, vom 27.11.1993 oder in Neue Vorarlberger Tageszei-tung: MAK. Eröffnung der Studiensammlung, 28.11.1993.

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Je nach zuständigem Sammlungsleiter des Museums, der mit dem Künstler gemein-sam den Raum einrichtete, dominierten bestimmte Schwerpunkte die Räume.So bestand der von Barbara Bloom und Christian Witt- Dörring( SammlungsleiterMöbel) eingerichtete Raum zu Historismus, Jugendstil, Art déco einzig aus Stüh-len. Auch im Raum Barock, Rokoko, Klassizismus( Donald Judd, Christian Witt-Dörring) dominierten die Möbel, während der Epochenraum Renaissance, Barock,Rokoko( Franz Graf und Angela Völker, Sammlungsleiterin Glas/ Keramik) Glasund Textilien zeigte.

54 Gespräch des Autors mit Reinald Franz am 6.9.2013 und mit Kathrin Pokorny-Nagel am 18.8.2011.

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