Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet
aufstellte, so dass aus der Raummitte nur ihre Silhouetten als Schatten-risse auf dem Stoff zu sehen waren. Jenny Holzer kuratierte den Raumzu Empire und Biedermeier und ergänzte ihn um ihre LED- Leuchtbän-der. Donald Judd durfte Objekte aus Barock, Rokoko und Klassizismusrund um das Porzellanzimmer aus dem Brünner Palais Dubsky im reprä-sentativen Hauptsaal des Museums anrichten, das im MAK als eigenerRaum im Raum ausgestellt wurde. Dieser Ansatz, Künstler( zusammenmit den Museumskuratoren) Ausstellungsräume kuratieren zu lassen,war 1993 neu und bescherte dem Museum viel Aufmerksamkeit.45
Teil des neuen Konzepts war eine Studiensammlung im Unterge-schoss des Museums, das erst durch die Sanierung als Ausstellungsraumnutzbar geworden war und nun den nötigen Platz bot, um das Studi-ensammlungskonzept auf alle Bestände auszuweiten. Sie setzte sich von1993 bis 2013 aus mehreren Räumen zusammen, die jeweils getrenntMöbel( zwei Räume), Metall, Glas& Keramik( in einem Raum, aberdurch massive Betonstützen in der Raummitte deutlich voneinandergetrennt) sowie Textilien zeigten, also» die alte Museumsordnung nachMaterial in einer dichten, seriellen Präsentationsform« nachbildeten.46Die Studiensammlung ergänzte die Ausstellungen in den Haupträumen,die radikaler ausgedünnt als 1980. nur einige ausgewählte Meister-werke zeigten. Räumlich im Abseits, war sie über eine unscheinbareTreppe an der Stirnseite des Lichthofs zugänglich, die man leicht über-sehen konnte.
Die Beschränkung auf erlesene Spitzenstücke in der Schausammlungrückte das Museum in die Nähe der Kunstmuseen mit ihrer Konzentra-tion auf die herausragenden Werke berühmter Künstler.» Das MAK<<,hieß es programmatisch im ersten Satz des Mission Statement,»> ist einOrt der KUNST.« Nicht zufällig hoben die Objektbeschriftungenneben dem Objekttitel den Namen des Urhebers/ Entwerfers/ Produ-zenten in fetten Lettern hervor. 48 Das Museum entfernte sich von sei-nem Gründungsfokus auf Gebrauchskunst. Es präsentierte seine Dinge
45 Vgl. Noever 2002( wie Anm. 44); Gespräch mit Christian Witt- Döring
46
47
am 19.3.2014.
Noever 2002( wie Anm. 44), hier S. 16.
Version von 2011 auf der MAK- Website.
48 Vgl. dazu die Faltblätter» Objektbeschriftungen«<, die in jedem Raum auslagen
und i. d. R. die Inventarangaben zu den Objekten auswiesen sowie einzelne Objekteausführlicher erklärten.
19