Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet

eine umfangreiche Ausstellungstätigkeit beginnt.«< Erst jetzt intensiviertesich der Kontakt zur österreichischen Industrie, die im Museum neueFertigungstechniken zeigen und neue Produkte wie Emaille und Terra-cottaglasuren ausstellen konnte, die in der angeschlossenen Schule mitentwickelt wurden. Das Museum kaufte mehr denn je zeitgenössischeProdukte und veranstaltete von 1874 an jährlich Weihnachtsausstellun-gen, die de facto Verkaufsmessen neuester kunstgewerblicher Produktewaren. Museum und Schule waren Umschlagplätze für neue Entwürfeund Materialstudien und vermittelten ihre Schüler und Entwerfer andie Industrie, die im Gegenzug Objekte für die Sammlungen spendete.30Vom offenen Sammlungsansatz des Wiener Kunstgewerbemuseumsprofitierte auch der Verein für österreichische Volkskunde: An promi-nenter Stelle durfte er hier 1895 einen Teil seiner Sammlungen zeigenund hoffte,» dass die Anregungen, welche von dieser ersten Sammel-leistung des Vereins ausgegangen sind, dazu beitragen werden, die Ideeder Begründung eines ÖSTERREICHISCHEN VOLKSKUNDE-MUSEUMS in der österreichischen Bevölkerung zu verbreiten und zubefestigen<< 31.

Im Jahr 1900 gliederte das Museum für Kunst und Industrie dieKunstgewerbeschule aus. Die Trennung war Fanal eines neuen Selbstver-ständnisses: Als Museum widmete es sich nun vor allem der Geschichtedes Kunstgewerbes und weniger der praktischen Ausbildung von Gestal-tern. Verzichtete man in Wien anfangs darauf, mit den Sammlungen desHauses, den Möbeln, Textilien, Entwurfszeichnungen und Büchern,einen möglichst geschlossenen Überblick über die Geschichte etwa derösterreichischen Möbelproduktion zu geben, weil praktische Anforde-rungen und nicht das geschichtliche Erbe im Zentrum standen, so ändertesich das nach 1900.» Das historische Objekt ist nun nicht mehr in ersterLinie Vorbild im Rahmen einer Mustersammlung, sondern Vertreterseiner selbst und somit seiner eigenen Geschichte.« ³2 Aus Exemplarenwurden historische Zeugnisse( die oft aber auch exemplarisch genutzt

30 Pokorny- Nagel 2000( wie Anm. 13), S. 75-80, Zitat S. 78.

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Zit. aus Herbert Nikitsch: Auf der Bühne früher Wissenschaft. Aus der Geschichtedes Vereins für Volkskunde( 1894-1945). Wien 2006, S. 93.

Christian Witt- Dörring: Geschichte als Mittel zum Zweck. Die Möbelsammlungdes k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever( Hg.)( wie Anm. 21), S. 130-136, hier S. 131.

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