12 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2
gestiftet. Andere Bestände kamen aus Klöstern, Kirchen, Adels- undPrivatbesitz. Das Ballhaus war von vornherein ein Provisorium: Schon1867 plante das Museum einen Neubau am Stubenring, wo es nochheute steht. Es folgte der industriepolitischen Idee, Österreichs Kunst-gewerbe international konkurrenzfähig zu machen. Diese Institutionist nicht als Museum»> im Sinne einer Musealisierung des Vorhandenengegründet[ worden], sondern als lebendige vitale Institution zwischenPraxis und Lehre, zwischen Kunst und Industrie, zwischen Produktionund Reproduktion«. Eine Kunstgewerbeschule war von 1867 an ein Teildes Museums, bis sie sich 1900 abspaltete. Den Geschmack von Pro-duzenten und Konsumenten zu schulen war erklärte Absicht des neuenKunstgewerbemuseums, das zu diesem Zwecke vorbildhafte Objektesammelte, ausstellte und an die Fachschulen der Monarchie verlieh. Anihnen sollten die Handwerker lernen, mit welchen neuen Maschinen undTechniken sie welches Material bearbeiten konnten und an welchen his-torischen Vorbildern sie sich dabei zu orientieren hatten. Zeitgleich zieltedas Museum auf allgemein interessierte Besucher als potenzielle Käufer.Die Mustersammlungen dienten der Geschmacksschulung und Konsu-mentenerziehung, auf dass der Kunde qualitativ hochwertige Produkteerkenne, wertschätze und kaufe. 21» Das k. k. Oesterreichische Museumfür Kunst und Industrie hat die Aufgabe«<, hieß es in Paragraph 1 derMuseumssatzung von 1864,» durch Herbeischaffung der Hilfsmittel,welche Kunst und Wissenschaft den Kunstgewerbern bieten, und durchErmöglichung der leichteren Benützung derselben die kunstgewerblicheThätigkeit zu fördern, und vorzugsweise zur Hebung des Geschmacks indieser Richtung beizutragen.<< 22
Die Rede von der» Hebung des Geschmacks« war symptomatischfür eine Zeit, die Kunst, Kunstgewerbe und Volkskunst normativ beur-teilte und zwischen» richtig« und» falsch«< schied.23 Was in Werkbund
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Noever 2000( wie Anm. 13), S. 9-11, Zitat S. 10; Pokorny- Nagel 2000( wie Anm.13); Gespräch des Autors mit Rainald Franz, Kustos der MAK- Sammlung Glasund Keramik, am 6.9.2013 in Wien; Reder 1991( wie Anm. 15); zu den Wanderaus-stellungen vgl. Mittheilungen des k.k. Österreichischen Museums für Kunst undIndustrie, 15, 1866, S. 255-257.
Statuten des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. In:Mittheilungen des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 1( 1865), hier S. 4f.