Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet

konkurrieren. Schlimmer noch: England hatte im selben Zeitraum dieQualität seines Kunstgewerbes erheblich verbessert, was u.a. dem 1851gegründeten South Kensington Museum zu verdanken war, das überSchools of Design, Bibliotheken und Mustersammlungen verfügte.18» DerWeg, der zur Besserung führte oder aber führen konnte«<, schrieb seiner-zeit der spätere Direktor( 1885-1895) des Österreichischen Museums fürKunst und Industrie, Jakob von Falke,» war nur ein einzig möglicher.Einen eigenen Stil der Zeit gab es nicht und erfinden lässt er sich nicht.Man konnte nur und einzig nur auf dem Wege der Lehre, des Kunst-unterrichts vorgehen. Man mußte an den Mustern der Vergangenheitdas Schöne lehren und Sinn und Verständnis für Form und Farbe aus-bilden; man mußte die verloren gegangenen technischen Kunstweisenwieder finden und erneuert einführen; man mußte künstlerische Kräftebilden, reif zur Erfindung und reif zur Ausführung; man mußte endlichim Volke, in Reich und Arm, nicht bloß das Verständnis, sondern Liebeund Leidenschaft zum Schönen erwecken.<< 19

In von Falkes Argumentation gibt sich eine Haltung zu erkennen,die wir heute als Historismus bezeichnen,» ein Bewußtsein oder einDenken, dem es ganz besonders um Geschichte geht, das sich ganz aufGeschichte konzentriert und damit anderes( Nicht- Geschichtliches)übersieht oder unberücksichtigt lässt«<. 20 In diesem Denken liefert dieGeschichte reiches Anschauungsmaterial für die Gegenwart. Im Kunst-gewerbe verkauften sich großformatige und bunt kolorierte Vorlagen-werke wie Auguste Racinets L'Ornement Polychrome( 1872) oder OwenJones The Grammar of Ornament( 1856) in großer Zahl, weil sie mit ihrenAbbildungen von historischen Ornamenten an Säulen, Gefäßen und Tex-tilien das zeitgenössische Kunstgewerbe inspirieren sollten. Aus diesemGeist entstand das Wiener Museum.

Am 12. Mai 1864 wurde das k.k. Österreichische Museum für Kunst undIndustrie in den Räumen des Wiener Ballhauses, dem ehemaligen Turn-saal des Kaisers, eröffnet. Der Kaiser selbst hatte Teile seiner Sammlung

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Vgl. dazu etwa den Bericht Englands Kunstindustrie. In: Mittheilungen des k.k.Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, 20, 1867, S. 337-340.Jakob von Falke: Aesthetik des Kunstgewerbes. Ein Handbuch. Stuttgart 1883,S. 54.

Friedrich Jaeger, Jörn Rüsen: Geschichte des Historismus. Eine Einführung.München 1992, hier S. 5.

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