Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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10 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2

konservatorisch maßgebende Kriterium für die Lagerung ist. Auch diemuseumseigene Bibliothek sortiert ihre Bücher entlang der Materialien:Sie stellt Bücher, die Holz und seine Bearbeitung behandeln, nebenein-ander und verfährt so auch bei Druckwerken zu Metall oder Textil. 16 DieZuständigkeit der Kustoden für Metall, Keramik, Möbel etc. folgt dieserOrdnung ebenfalls, was sich in der kuratorischen Praxis niederschlägt.Bis zur Neuordnung des Museums 1980 waren die Schausammlungenim Haus größtenteils gemäß der vom Material bestimmten Sammlungs-bereiche getrennt präsentiert und innerhalb dieser dann chronologischsortiert. Auch die 1993 eröffnete Studiensammlung wählte diesen Ansatznicht nur, um die Sammlungsordnung nachzuvollziehen, sondern auch,weil» sie der Spezialisierung der Sammlungsleiter[ entspricht]«. ¹ Dasheißt, die in den 1860er Jahren etablierte Sammlungsordnung prägt dieStruktur und Praxis des Museums bis heute, und zwar bei der Samm-lungs- wie bei der Ausstellungsarbeit.

Eine Vorbildersammlung, die zum Museum wird

Die erste Londoner Weltausstellung von 1851 hatte die Repräsentantendes Habsburger Reichs konsterniert. Erstmals ermöglichten es dieseLeistungsschauen der Nationen, Industrieprodukte international in gro-Bem Stil zu vergleichen. Die Bilanz des österreichischen Handwerks undseiner Manufakteure fiel betrüblich aus: Insbesondere den Produkten ausFrankreich sah man sich hoffnungslos unterlegen. Die Kunstschaffendenwurden dort hervorragend im 1794 gegründeten Conservatoire des Arts etMétiers mit seiner Ecole polytechnique geschult. Es war die erste Vorbil-dersammlung mit Kunsthandwerk und Maschinen, die zugleich als Lehr-betrieb diente. Bei der Pariser Weltausstellung vier Jahre später bot sichdasselbe Bild: Habsburger Produkte konnten mit den französischen nicht

16 Gespräch mit Kathrin Pokorny- Nagel am 17.8.2011.

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Aus dem Raumtext zur Studiensammlung. Diesen Eindruck bestätigen zudemeinige Interviewpartner. Vgl. dazu auch das Pressegespräch mit Peter Noever: Architek-tur eines Ortes als Verpflichtung. Die Institution Museum im Spannungsfeld zwischenKunst und Kommerz. 8 Jahre Museumsarbeit. Wien, 1.2.1994( MAK- Archiv, Index1994):» Je nach Konzept des Sammlungsleiters sind innerhalb der materialbezogenenStudiensammlungen die kunstgewerblichen Objekte in typologische, historische oderfunktionale Zusammenhänge gestellt.<<