Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet

sammlungen). Das lassen u.a. die massiven schwarzen Holzvitrinenerahnen, in denen das MAK heute noch Teile seiner Textilsammlungenzeigt und die früher schon als Schaumöbel fungierten. Sie stammen ausden Gründerjahren des Museums. Holztüren mit Glasscheiben, hinterdie der Kustos Textilien einspannen konnte, um nach außen zu zeigen,was sich im Schrank befindet, verschlossen die Schränke, in denen dergesamte Bestand dunkel und vor Zugriff geschützt verwahrt werdenkonnte.14 Exponieren und Deponieren vollzogen sich im selben Raum.Die Ordnung des Depots bestimmte den Aufbau der Ausstellungen, fürdie sich die Materialordnung gleichsam von selbst ergab. Indiz dafür sinddie schwarzen Holzvitrinen, die eine ganz andere Sprache sprechen alsdie Lager- und Schaumöbel, die 100 Jahre später die Studiensammlun-gen von 1993 kennzeichnen sollten: Statt leicht und transparent warensie dunkel, hermetisch und verschlossen. Sie zeigten Auswahl statt Fülle,verhießen Schutz statt Offenheit. Die Exklusivität des Besitzens undBenutzens der Dinge wird in diesen Schränken- vor allem konservato-risch bedingt sichtbar. Sie folgen der konservatorischen Zurückhaltungdes Depots, nicht der Extrovertiertheit der Ausstellung.

Bis heute ist das Museum seiner initialen Sammlungsordnung ver-haftet, trennt seine Bestände nach Materialien.15 Die gotische Galvano-plastik Go82 findet sich entsprechend im Depotraum der Metallobjektemit ihren rund 20.000 Gegenständen vom 14. Jahrhundert bis in dieGegenwart. D.h. die epistemische Logik der Sammlung nach Materialienbestimmt im MAK auch die logistische Struktur, weil das Material das

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Blei, XVII. Eisenarbeiten, XVIII. Glocken und Uhren, XIX Gefässe, Geräth, Reliefsin Bronce, XX. Goldschmiede, XXI. Bijouterie, XXII. Graveurskunst, XXIII. Allge-meine Zeichnungen für plastische Ausführungen, XXIV. Sculptur im Grossen.<< Zit.nach Kathrin Pokorny- Nagel: Zur Gründungsgeschichte des k.k. ÖsterreichischenMuseums für Kunst und Industrie. In: Peter Noever( Hg.): Kunst und Industrie.Die Anfänge des Museums für angewandte Kunst. Ostfildern- Ruit 2000, S. 52–89,hier S. 73.

Gespräch mit Kathrin Pokorny- Nagel, Leiterin der Bibliothek und Kunstblätter-sammlung/ Archiv, am 18.11.2015.

Das Inventar folgt dieser Material- und einer thematischen Ordnung. ChristianReder bemerkte in seiner umfassenden Sammlungsanalyse dazu 1991:»> Die 30[...]Fachinventare werden offensichtlich seit Jahrzehnten unverändert fortgeführt,ohne daß ihre Systematik neuen Erfordernissen angepasst worden wäre.<< Zit. nachChristian Reder: Neue Sammlungspolitik und neue Arbeitsstruktur. Analysen undKonzeptionsgrundlagen. Wien 1991, S. 31.

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