Aufsatz in einer Zeitschrift 
Sammlung verpflichtet : wie das Wiener Museum für Angewandte Kunst 1993 sein Depot neu zur Geltung brachte
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Thomas Thiemeyer, Sammlung verpflichtet

Die ersten beiden Teile des Beitrags setzen historisch an, fragen nachder Logik der MAK- Sammlungen und nach dem Selbstverständnis die-ser Institution während ihrer Gründungszeit, in der es seine Beständeaufbaute. Teil drei widmet sich dann der jüngsten Studiensammlung( 1993-2013), bevor ich am Ende ein Fazit ziehe und das Beispiel derMAK- Studiensammlung in den größeren Kontext der Depotausstellun-der Gegenwart einordne.

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Gottfried Sempers Ideales Museum

Das Wiener Museum für Angewandte Kunst besitzt eine goldene spät-gotische Kanne aus dem Schatz der Deutschordensritter. Das bauchigeGefäß mit dem Griff in Form eines Drachens und einem grün email-lierten» wilden Mann Glossar ::: zum Glossareintrag  Mann« auf dem Deckel ist nicht das Original aus dem15. Jahrhundert. Dieses befindet sich im Metropolitan Museum of Artin New York. Die Kanne im MAK mit der Inventarnummer Go82 isteine galvanoplastische Reproduktion. Das Museum erwarb sie 1868 alsIllustrationsobjekt mittelalterlicher Goldschmiedekunst. Heute steht sieim MAK Design Labor und zeigt zusammen mit Pokalen, Tellern undTrinkgefäßen zu einem Schaubuffet arrangiert die Entwicklung derTischkultur. Bevor das Museum sie als kulturhistorischen Zeugen auf-bot, präsentierte es die Kanne in der Studiensammlung Metall als reprä-sentatives Beispielobjekt für die reichen Gold- und Silberschätze in denDepots, die nach Materialien geordnet waren. Diese Ordnung ging aufden Architekten Gottfried Semper zurück, der für die kunstgewerblichenMuseen ein wichtiger Vordenker war.

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Semper war ein angesehener Architekt, als er 1849 überstürzt ausDresden floh. Er hatte sich mit den demokratieverzückten Revolutio-nären seiner Heimatstadt eingelassen, weshalb er nun Sachsen verlas-sen musste. Nach Stationen in Zwickau, Hof, Karlsruhe, Straßburg undParis gelangte er 1850 schließlich nach London, wo er Henry Cole begeg-nete. Cole organisierte die für 1851 geplante Londoner Weltausstellung,und Semper durfte für ihn verschiedene Länderkojen gestalten.

Der Beginn in London war für den erfolgsverwöhnten Architektengleichwohl schwierig. Seine Aufträge waren kleiner als erhofft, so dassSemper sich andere Arbeit suchen musste. Sein Kontakt zu Cole halfihm auch hierbei: Der Erfolg der Weltausstellung 1851 hatte diesen zum

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