4 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXX/ 119, 2016, Heft 1+ 2
sondern als großes Schaubild in ihren Schauräumen präsentieren. DieseRäume sollen optisch und/ oder erkenntnistheoretisch dem Depotähneln. Von den Schaudepots im Vitra Design Museum in Weil amRhein( 2016), im Museum für Gestaltung in Zürich( 2014), dem kultur-historischen vorarlberg museum in Bregenz( 2013) oder dem JüdischenMuseum in Wien( 1996, überarbeitet 2011), über das» offene Depot«< imBerliner Museum der Dinge( 2007), das Schaulager in Basel( 2003), dasSchaumagazin im Überseemuseum Bremen( 1999) oder das HistorischeMuseum Luzern, das sich 2003 gleich ganz in Depot umbenannt hat, biszum Berliner Humboldt- Forum( mutmaßlich 2019), das seine ethnolo-gischen Objekte von 2019 an u.a. in einem Schaudepot zeigen soll: Dasneue Interesse am Depot ist nicht zu übersehen.²
Der folgende Beitrag will am Beispiel des MAK einen genauerenBlick auf diesen Ansatz werfen und fragt: Warum kehrte dieses Museumausgerechnet 1993 zu einer Präsentation als Studiensammlung zurück( und verabschiedete sich von ihr 2013 wieder)? Was versprach man sichdavon? Inwiefern unterschied sich der Studiensammlungsansatz vonfrüheren ähnlichen Präsentationsformen, und wo setzte er diese( unterneuen Vorzeichen) fort? Was sagt das über sein Verständnis eines zeit-gemäßen kunstgewerblichen Museums? Dieses Museums- Portrait ana-lysiert die grundlegenden fachwissenschaftlichen Erkenntnisinteressen,aus denen die Studiensammlung entstanden ist und wirft einen tiefenBlick in das Depot und auf die Depotschau des MAK. Am Beispiel einesLeitexponats einer Goldkanne aus dem Schatz der Deutschordensrit-analysiert es, wie Dinge in diesem Museum wanderten und sichveränderten.
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Der Begriff deckt unterschiedliche Formate ab, von Studiensammlungen, die ausursprünglichen Forschungskontexten übrigblieben, über bewusst neu inszenierteräumliche Depotnachbildungen bis zu Ansätzen, die das Depot zum inhaltlichenBezugspunkt nehmen, ohne sich primär auf seine räumliche Optik zu beziehen.Was ich Depotausstellung nenne, ist also kein homogenes Phänomen, sondern imGegenteil sehr divers. Gemeinsam ist den diversen Ansätzen aber, dass sie Neu-schöpfungen sind, die mit ähnlichen Techniken das Depot und die Sammlungenwieder stärker ins Bewusstsein bringen wollen. Sie sind bewusst als alternativerAusstellungsansatz konzipiert worden.
Vgl. dazu Thomas Thiemeyer: Das Depot als Versprechen. Warum unsere Museendie Lagerräume ihrer Dinge wiederentdecken, 2017( in Vorb.).