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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXI/ 120, 2017, Heft 3+ 4
Praktiken, Symbolen und Attributen der behandelten Feiertage aufzuzei-gen und einen wichtigen Beitrag zum Studium der Bedeutung von Feier-tagen in der modernen Gesellschaft zu leisten.
Gabriela Kiliánova
Annegret Waldner und Sonja Fankhauser: Von Zillerthal
nach Zillerthal. Der Weg der Zillertaler Protestanten von Tyrol
nach Preussisch- Schlesien im Jahr 1837.
Wien: mymorawa 2017, 276 Seiten, ca. 100 SW- und Farbabbildungen.
Passend zum Anlass des 500- jährigen Reformationsjubiläums im Jahr2017 veröffentlichen die beiden Tiroler Volkskundlerinnen AnnegretWaldner und Sonja Fankhauser ein ungewöhnliches Buch: Der anzuzei-gende Band thematisiert den Weg der im Jahr 1837 aus dem Zillertal ver-triebenen Protestanten von Tirol ins heutige polnische Dorf Mysłakowiceim Riesengebirge, das bis 1945 Zillerthal- Erdmannsdorf hieß. Der Bandversteht sich dabei nicht als eine wissenschaftliche Abhandlung zu dieseroft als letzte konfessionell motivierte Vertreibung in Mitteleuropa apos-trophierten Umsiedlung der„ Zillertaler Inklinanten"- deren Geschichteist bereits ganz gut erforscht und soll hier auch nicht noch einmal darge-stellt werden. Das Buch von Waldner und Fankhauser leistet vielmehreine knappe Darstellung der greifbaren Fakten und begibt sich sowohlin historischer wie gegenwartsbezogener Hinsicht auf eine Spurensucheüber den zurückgelegten Weg und versteht sich somit auch als eine ArtAnregungs- und Wanderbuch.
Folgerichtig zerfällt der Text in drei Abschnitte. Im ersten rechtkurzen, nur ca. 20 Seiten umfassenden Teil stellen die Autorinnen dieGeschehnisse des Jahres 1837 kompakt dar und schildern die damaligenpolitischen Winkelzüge und Aktivitäten, die schließlich zur Ausweisungder Zillertaler geführt haben, obwohl eigentlich bereits seit 1781 das Tole-ranzpatent gegolten hatte: Doch indem die betreffenden Personen nichtals protestantisch, sondern als sektiererisch- akatholisch klassifiziert wur-den, fand dieses Toleranzedikt keine Anwendung, und die über 400 Zil-lertalerInnen konnten vor die Wahl gestellt werden, entweder zum„ rech-ten" Glauben zurückzukehren oder das Zillertal zu verlassen. Der zweite,