Literatur der Volkskunde
zeigen, wurden zwar rituelle Aktivitäten vom gesellschaftlichen Wandelnach 1989 und den damit einhergehenden neuen wirtschaftlichen undsozialen Umständen erheblich beeinflusst und erweitert, doch habenandererseits die Menschen beim Begehen der Feiertage auch ältere, ausverschiedenen Gründen unterdrückte oder vergessene Praktiken wiederaufgenommen.
Der Hauptteil der Publikation widmet sich in vier Kapiteln bestimm-ten Feiertagen und beginnt mit dem Beitrag von K. Popelková mit demTitel Was nützen uns Gesetze über Feiertage? Die Autorin analysiert denFeiertagskalender der Slowakischen Republik( SR), betrachtet also jeneTage, die gesetzlich arbeitsfrei oder Gedenktage sind. Gegenwärtig ent-hält der Kalender sechs Staatsfeiertage der SR und neun arbeitsfreie Tage.Dabei handelt es sich um den 1. Januar( Tag der Entstehung der unab-hängigen Slowakischen Republik), 6. Januar( Erscheinung des HerrnHl. drei Könige), Ostern( Karfreitag und Ostermontag), 1. Mai( Tag derArbeit), 8. Mai( Tag des Sieges über den Faschismus), 5. Juli( Hl. Kyrillund Hl. Methodius), 29. August( Jahrestag des Slowakischen National-aufstands), 1. September( Tag der Verfassung der SR), 15. September( Feiertag der sieben Schmerzen Mariens, der Patronin der Slowakei),1. November( Allerheiligen), 17. November( Tag des Kampfes gegen dieTotalität), Weihnachten( 24., 25. und 26. Dezember). Das Gesetz überFeiertage wurde bereits im ersten Jahr des Bestehens der SR im Herbst1993 verabschiedet – ein Zeichen für ihre Bedeutung in dem neu entstan-denen Staat. K. Popelková, die sich auf die Jahre ab der Verabschiedungdes Gesetzes 1993 bis Ende 2013 konzentriert- befasst sich vor allemdamit, welchen Bedeutung den diversen Feiertagen in der Politik bei dererstmaligen Verabschiedung des Gesetzes und den fünf nachfolgendengesetzgebenden Perioden- deren Änderungen das Ergebnis des heutigeFeiertagskalenders ist beigemessen wurde. Es gelingt ihr dabei, eineReihe übereinstimmender, aber auch gegensätzlicher Bedeutungen vonFeiertagen quer durch das politische Spektrum herauszuarbeiten, und siezeigt darüber hinaus, dass trotz aller Säkularisierungstendenzen in derModerne weiterhin ein starker Einfluss der Kirche auf die Auswahl vonFeiertagen und deren Funktionen zu beobachten ist. Zudem stellt siefest, wie und wodurch die Staatsmacht konkrete Auslegungen und Sym-bole von Feiertagen propagiert, beschäftigt sich also in Verfolgung vonGedanken Pierre Bourdieus( Teórie jednání[ Theorie der Praxis], Praha1998, 69 ff.) mit den Instrumenten der symbolischen Gewalt des Staa-tes bei der Durchsetzung öffentlicher Repräsentationen. Die Ergebnisse
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