304 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXI/ 120, 2017, Heft 3+ 4
Katarína Popelková u.a.: Was bedeutet ein Feiertag im
21. Jahrhundert in der Slowakei?(= Ethnologische Studien, Bd. 21)Bratislava: Institut für Ethnologie der Slowakischen Akademieder Wissenschaften 2014, 320 Seiten, SW- und Farbabbildungen.
Die Publikation des Autorenteams vom Institut für Ethnologie der Slo-wakischen Akademie der Wissenschaften Zuzana Beňušková, MonikaVrzgulová, Juraj Zajonc und der Redakteurin Katarína Popelková kon-zentriert sich auf ein im fachlichen wie im öffentlichen Diskurs äußerstaktuelles Thema. Es geht darum, Einblick in heutige Ritualpraktikenzu bekommen und konkret darum, Antworten auf folgende, nur aufden ersten Blick einfache Fragen zu geben: Was verstehen die heutigenBewohner der Slowakei unter einem Feiertag? Wie begehen sie solcheFeiertage und welche Rolle spielen diese heute? Was können wir mit-hilfe von Feiertagen über die Gesellschaft in der Slowakei erfahren? Mitdiesen Fragen befassten sich die vier AutorInnen in einem wissenschaft-lichen Projekt, das unter dem Titel„ Rituelles Verhalten als strategischesInstrument der Gruppenidentifikation. Soziale und kulturelle Kontexteheutiger Feiertage in der Slowakei“ in den Jahren 2011 bis 2014 durchge-führt wurde und dessen Ergebnisse in dem hier angezeigten Buch darge-stellt werden.
In der Einleitung der umfangreichen Publikation skizziert KatarínaPopelková die Ziele des Projekts, mit dem Feiertage als soziales Phä-nomen erforscht und ihre Gestaltung und Rezeption im Wandel derGesellschaft innerhalb eines konkreten historischen Zeitabschnitts fest-gestellt werden sollten, wobei man sich neben bekannten und seit langembegangenen Festlichkeiten auch neuen Feiertagen zuwandte. K. Popel-ková- die den theoretischen und methodologischen Zugang des Projektsdetailliert beschreibt und Grundbegriffe wie Feiertag, Ritual oder Ritua-lisierung terminologisch festlegt- weist denn auch auf die zunehmendeZahl von Feiertagen in den letzten Jahrzehnten hin, hält aber zugleichfest, dass diese quantitative Steigerung mit einer zunehmend individu-alisierten Rezeption einhergeht. Natürlich dürfen wir uns solche Indi-vidualisierung wie jede Art von Modernisierungsprozessen nichtals stetige, gewissermaßen evolutionäre Veränderungen, sondern alsimmer auch umkehrbare und in sich differenzierte Prozesse( vgl. Martin:Modernization in Crisis, in: Adamski u.a.: System Change and Moder-nization, 1999) vorstellen. Wie die Ergebnisse des Forschungsteams