Literatur der Volkskunde
Die neuen Verwendungen der Möbel, den Weg zum bloß nochDekorativen beschreibt Grießmaier als einen abschüssigen. Sein Buchversucht den Verlust des alten Wissens aufzufangen. Den Text des Ban-des, dessen reicher Bilderfundus passend angeordnet ist, rahmen ZitateRilkes über die Schönheit der einfachen Dinge und Goethes Bemer-kungen über seinen böhmischen Reisekorb: Dieser ist nicht allein sovernünftig und zweckmäßig als möglich, sondern er ist dabei auch dieeinfachste, gefälligste Form, sodass man sagen kann, er stehe auf demhöchsten Punkt der Vollendung. Diesem„ Hymnus auf das Einfache“-als solchen bezeichnet ihn Johannes Urzidil( Goethe in Böhmen, 1962,S. 280) folgt Hans Grießmair, indem er die Angemessenheit, die Ein-fachheit der historischen bäuerlichen Wohnkultur als besondere Qualitätin einem eigenen Kapitel beschreibt.
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Man kann freilich neugierig sein und fragen, ob und wie und warumdie Möbel dadurch in ein neues Dasein und in eine neue Beziehung zuden Menschen gelangt seien. Sie sind nicht aufgebraucht, vernutzt, ver-heizt, sondern werden heute genutzt. Sie sind immer noch da, aber siesind dies eben nur, weil sie neue Bedeutungen an sich gezogen haben,weil ihnen die Menschen solche Bedeutungen zugedacht haben. Wennauch ihr Marktwert im letzten Jahrzehnt geringer geworden ist, wiedas Auktionen etwa im Dorotheum zeigen, denken manche Menschenihnen doch neu- alte Bedeutungen zu. Manche mögen auf eine Macht derDinge hoffen, die Anmutungen Heimeliges, Gemütliches, Eckbanki-ges Wirklichkeit werden lassen.
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Dem schön gemachten Buch, das schöne und handwerklich gutgemachte Stücke in schönen Bildern zeigt, entspricht ein maßvoller, ruhi-ger und kluger Text, der das Fachwissen über Stuben und ihre Möbelzusammenfasst und in verständlicher Weise ausbreitet. Schließlich solldas Wissen auch bei jenen landen, die solche Möbel nutzen, in moderneKontexte einzubinden suchen und ihnen damit„ Sinn“ geben.
Konrad Köstlin
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