Literatur der Volkskunde
Hans Grieẞmair: Stuben und Möbel im Tiroler Bauernhaus.Bozen: Athesia Tappeiner Verlag 2016, 143 Seiten,
SW- und Farbabbildungen.
Der Gründer und langjährige Leiter des Südtiroler Volkskundemuseumsin Dietenheim hat schon eine Reihe informativer und gut gestalteterBücher verfasst, die als Handbücher gelten können. Dazu gehört etwadas nützliche Kompendium zum materiellen Bestand und Gehalt dessen,was" Volkskultur" genannt wird( Bewahrte Volkskultur, Führer durchdas Südtiroler Volkskundemuseum, Brixen 2004). Wie damals hat derAutor auch bei Stuben und Möbel im Tiroler Bauernhaus aus naheliegen-den Gründen im Wesentlichen auf Bestände des Dietenheimer Muse-ums und befreundeter Museen zurückgegriffen. Damit sind vor allemwegen ihrer Besonderheit- aufgrund von Qualität oder Form- musea-lisierte Objekte ins Blickfeld geraten. Wie alles Erinnern bedeutet auchmuseales Erinnern immer auch ein Auswählen, und da fallen einfachereStücke manchmal durch das Raster: Sie wurden vernutzt, aufgebraucht,meist sind sie längst verheizt oder anderweitig entsorgt worden seinKároly Gaál oder Utz Jeggle haben dieses Leben der Dinge im vergan-genen Jahrhundert eindrücklich skizziert. Es bleiben also die besonde-ren Stücke, und so präsentiert der Band schöne Stücke, die während derletzten Jahrhunderte als Repräsentanten eines Bildes bäuerlicher Kultureiner beständigen Überlieferung überantwortet worden waren.
Das tut aber der Sache keinen Abbruch. Denn Grießmaier geht esnicht allein um die Möbel in den Stuben, sondern um den Umgang mitden Sachen und um die Bedeutung, die sie im Alltag gehabt haben. Indiesen Sachgeschichten sind die Umgangsweisen und die daraus resul-tierenden Verhaltensweisen in der Stube, dem Zentralraum des Hauses,enthalten. Diesem Zentralraum haftet bis heute eine emotionale Heimat-Bedeutung an. Seit man von Stube reden kann, ist sie oft sogar zum häus-lichen Kultraum geworden, nicht nur, wenn man an ihre Ausstattungmit Weihbrunnen und Heiligenbildern und die Ausbildung der„ heiligenHinterecke"( Gustav Ränk) in der frühen Neuzeit denkt.
Die Zentralität der Stube für das Bild des Wohnens lässt sich rechtgut im Grimmschen Wörterbuch nachlesen. Engst beschrieben enthältdas Werk hunderte von Belegen, die auf diese Bedeutungen zielen. Dasin allen germanischen Sprachen( und darüber hinaus) vorhandene Wort„ Stube" bezeichnet einen rauchfrei beheizbaren, somit den warmen
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