Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
Seite
290
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290 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXI/ 120, 2017, Heft 3+ 4

Wolfgang Slapansky( 1959-2017)

Es sei gestattet, an den Anfang eine persönliche Erinnerung zu stellen.1991, im 94. Jahrgang der Gesamtserie der Österreichischen Zeitschriftfür Volkskunde, durfte ich- als Student erstmals für diese Zeitschrift

schreiben. Es handelte sich zwar nur um einen Beitrag für den Rezensi-onsteil, aber es war mein allererster überhaupt, und als Ungeübter warich dankbar für diese Möglichkeit. Es war nicht die damalige Redak-tion der Zeitschrift, die mich dazu einlud, sondern Wolfgang Slapansky,der meinte, wir könnten doch gemeinsam Stadtportraits. Stadtkulturim Sechserpack" besprechen. Es handelte sich dabei nicht um ein Buch,sondern um 24 Audiokassetten, in denen ebenso viele Sendungen derÖ1- Reihe Diagonal versammelt waren. Portraits von 24 verschiedenenStädten, die im Laufe der Jahre davor gesendet worden waren. Warumer damals mich dazu eigeladen hat, die Rezension mit ihm gemeinsamzu schreiben, weiß ich nicht mehr. Er hätte das alleine mindestens so gutgekonnt. Stadt", das war eindeutig sein Thema. Aber ich habe mich dar-über gefreut. Wir haben uns die Aufgabe dergestalt geteilt, dass ein jederzwölf Porträts übernommen hat.

Von dieser kleinen Episode erzähle ich deswegen, weil sie den Rah-men absteckt, in den sich dieser Nachruf auf Wolfgang Slapansky ein-fügt: zum einen sein liebstes Forschungsfeld, die Stadt, zum anderensein späterer und langjähriger Arbeitgeber, der ORF beziehungsweisedessen Radiosender Ö1, mit Diagonal, jener Reihe, die für ihn das Maßfür guten Radiojournalismus war, und schließlich das Organ, in dem hierseiner gedacht wird, die ÖZV.

Wolfgang Slapansky wurde am 25. September 1959 in Wien geboren.Sein ganzes Leben verbrachte er im 10. Gemeindebezirk der Stadt- in,, seinem" Favoriten. Er studierte Volkskunde an der Universität Wien

vor allem, weil es dort damals eine Arbeitervolkskunde gab undpromovierte 1991 mit einer Kulturgeschichte über den BöhmischenPrater", eine urbane Vergnügungsstätte für die Arbeiterschaft, die sicham Ende des 19. Jahrhundert im Süden Wiens etabliert hatte. Die Dis-sertation wurde unter dem Titel Das kleine Vergnügen an der Peripherieveröffentlicht. Slapansky beschreibt da eine Freizeitkultur zwischenKettenkarussel, Drehorgel und Kasperltheater und die Geschichten derSchaustellerfamilien, die diese betrieben haben und noch betreiben. DasBuch lässt bei aller methodischen Sorgfalt des Kulturwissenschaftlers die