Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
Seite
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Chronik der Volkskunde

Erlebnisse und Gespräche darüber, eine emotionale Öffnung zum Feldwird heute nicht mehr als wissenschaftlich inadäquates Verhalten disqua-lifiziert. Zweitens gibt es ein Lachen im Sinne des Feldes. Wenn Akteureeine ironische Haltung zu sich selbst und zu ihrer Gruppe pflegen, solltedies in die kulturwissenschaftliche Deutung einfließen dürfen, ohneGefahr zu laufen, dadurch unseriös zu wirken. Das Lachen über das Feldkann drittens als Abwehrmechanismus der EthnologenInnen verstandenwerden, bei dem spontaner Spott und keine kalkulierte Diffamierunggeäußert wird. In der Diskussion wurde vermutet, dass wir vor allem mitInformanten lachen, um Nähe zu erzeugen. Thematisiert wurde auch dieproblematische Situation, wenn man als Forschende mit AkteurInnen imFeld über andere AkteurInnen im Feld lacht- oder lachen muss.

Den Organisatoren der Tagung ist es gelungen, eine angenehme undoffene Atmosphäre zu schaffen, in der Fragen und Probleme ausgiebigund intensiv, auch kontrovers und insgesamt sehr fruchtbar diskutiertwurde. Die Europäische Ethnologie/ Volkskunde zeigte sich erneut alsäußerst selbstkritische Disziplin. Sie sollte darüber hinaus jedoch nichtdie sinnlich- schöne Seite des Alltags und das Lachen vergessen. EinePublikation der Beiträge wäre sehr wünschenswert und ist geplant.Diana Egermann- Krebs

Tagungsbericht ,,, Kontaktzonen' und Grenzregionen.Aktuelle kulturwissenschaftliche Perspektiven"

des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde,Dresden, 23.- 24. November 2017,

Sächsisches Staatsarchiv- Hauptstaatsarchiv

" Contact Zones" definierte die Literaturwissenschaftlerin Mary LouisePratt 1992 als social spaces where disparate cultures meet, clash, andgrapple with each other" 1.

Das Konzept der Kontaktzonen wurde seither in den Sozial- undGeisteswissenschaften breit rezipiert und stand im Mittelpunkt der

1 Mary Louise Pratt: Imperial Eyes. Travel Writing and Transculturation.

London 1992, S. 4.

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