Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Tagungsbericht ,, Wie kann man nur dazu forschen?-Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie",Innsbruck, 3.- 5. November, Universität Innsbruck

LXXI/ 120, 2017, Heft 3+ 4

Vom 03. bis 05. November 2017 fand an der Universität Innsbruck dieTagung Wie kann man nur dazu forschen? Themenpolitik in der Euro-päischen Ethnologie statt. Die Ausrichter Timo Heimerdinger( Inns-bruck) und Marion Näser- Lather( Marburg) eröffneten die Tagung unterdem Titel Gute Themen, schlechte Themen und stellten ihr Anliegen her-aus, sich mit den Mechanismen, Argumentationen und Diskursen befas-sen zu wollen, nach denen im Fach Europäische Ethnologie/ VolkskundeThemen ausgespart, abgewehrt, gemieden oder gar verschmäht werden.Aus der Erfahrung, dass manche Themen argwöhnisch betrachtet wer-den und andere nicht, stellt sich die Frage nach einer unsichtbaren( undunsagbaren) negativen Programmatik im Fach. Obwohl die EuropäischeEthnologie eine thematische Bandbreite und ein geeignetes Methoden-repertoire biete, würden also manche Themen marginalisiert und tabui-siert. Warum ein Thema nicht bearbeitet oder aussortiert werde, sei abermeist nicht nachzuvollziehen, denn üblicherweise würde nur begründet,warum ein Thema behandelt wird. Die Frage, welche Themen als bear-beitbar gelten, ist für viele akademische Bereiche wichtig, angefangen vonder Sprechstunde, in der ein Hausarbeitsthema akzeptiert oder abgelehntwird, bis hin zur Konzeption und Bewilligung großer Forschungspro-jekte. Heimerdinger und Näser- Lather stellten als Thesen sechs Katego-rien der Themenabwehr auf: Unergiebigkeit, Langeweile und Desinter-esse, Nutzlosigkeit, Ekel, moralische Verwerflichkeit und methodischeUnzugänglichkeit. Damit setzten sie fruchtbare Impulse für Dialoge undGespräche.

Kaspar Maase( Tübingen) konnte nicht anwesend sein, seinen Vor-trag, Volk und Kunst': ein Thema des 18. Jahrhunderts als Gegenstand, posi-tiver Anthropologie im 21. Jahrhundert? las Silke Meyer vor. In diesemskizzierte Maase eine fachliche und seine eigene Themenpolitik, ihreTraditionslinien und schließlich das Konzept der positiven Anthropo-logie" in der Hoffnung, seine eigenen Legitimationsprobleme zu ver-ringern. Die ästhetische Dimension moderner Alltage und die Rolleder Massenkünste seien zwar im Rahmen der Populärkulturforschungakzeptiert, diese zähle allerdings selbst nicht zum Proprium des Faches.Seine Forschungen würden kaum Diskussionen hervorbringen. Den