Aufsatz in einer Zeitschrift 
Am Rande des Münchner Wohnungsmarkts : Subjektmodelle und moralische Anrufungen in Reportagen zur Wohnungssuche
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Laura Gozzer, Am Rande des Münchner Wohnungsmarkts

Arrangements für den Alltag sowie permanent laufende Fernseher wer-den als Indikatoren defizitärer familiärer Verhältnisse in Szene gesetzt.

Der Verlust von Privatsphäre ist wiederholt Thema, wie die Über-schrift ,, Kaum Platz, keine Rückzugsmöglichkeiten, das führt immer öfterzu Streit" exemplarisch zeigt. Die Quintessenz bei allen Beispielen lau-tet: ohne adäquate Wohnung kein gutes Leben. Was ein gutes Leben aus-macht, wird im Spiegel der Erzählungen von Prekarität deutlich: ausrei-chend Platz, Ordnung, klar zugewiesene Möblierung, Ruhe, Familie undPrivatsphäre. Die bürgerliche Prägung dieser Wohnnormen ist mit Blickauf historische Entwicklungen von Wohnleitbildern offensichtlich.69 Inden Texten wird eine kulturelle Ordnung wirkmächtig, die definiert, wasgutes Wohnen bzw. Leben ausmacht und was nicht. Dementsprechendverdichten sich in den Erzählungen desolate Konstellationen, die vonsozialen Konflikten, Tristesse und geringer Lebensqualität zeugen. Soauch im Fall einer arbeitslosen Mutter, die sich nach der Trennung vonihrem Mann mit ihren zwei jugendlichen Kindern ein Zimmer in einerObdachlosenunterkunft teilt: Selbst wenn draußen die Sonne scheint, istes in dem kleinen Zimmer dunkel, es ist nicht viel größer als eine Gefäng-niszelle. Den ganzen Tag brennt das Neonlicht, meist läuft der Fernseher.Es ist ein trostloses Leben, das Efterpi aus Griechenland mit ihren beidenKindern führt. 70 Die Teenager wollen keine FreundInnen nach Hauseeinladen, weil sie sich schämen. Die Mutter fühle sich antriebslos" und ausgeliefert. ,, Diese Situation macht mich so furchtbar traurig.[...] Esist ein Teufelskreis', erzählt die Alleinerziehende und nimmt liebevoll ihreTochter in den Arm., Manchmal wünschen wir uns, dass wir einschlafenund erst wieder aufwachen, wenn wir etwas gefunden haben. 71 DiesePassage betont die Ausweglosigkeit der Situation, die Verzweiflung der

68 Uhrig 2015( wie Anm. 62)

69 Vgl. Hartmut Häußermann, Walter Siebel: Soziologie des Wohnens. Eine Einfüh-rung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens(= Grundlagentexte Soziolo-gie). Weinheim u. a. 2000, S. 85-102.

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Andrea Uhrig: Zimmer Nummer 1008: Hier lebt eine Familie auf zwölf Quadrat-metern. In: Abendzeitung, Nr. 95/17, 25.04.2015, S. 3.

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Ebd.

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