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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXI/ 120, 2017, Heft 3+ 4
Ausschluss aus den Großstädten betroffen sind.61 Dieses Skandalisierenfunktioniert in den vorliegenden Reportagen über detaillierte Beschrei-bungen von zu kleinen Räumen und provisorischer Möblierung. Bildervon schmalen Küchen, zugestellten Schlafzimmern und überfüllten Zahn-bürstenbechern illustrieren die Enge in den jeweiligen Unterkünften.„ Wirleben hier wie die Ölsardinen mit bis zu vier Personen in einem Zimmer",meint eine Frau, die mit ihrer neunköpfigen Familie im Obdachlosen-heim lebt.62 Zudem zeugen Rechenexempel von der Diskrepanz zwischender Zahl an Wohnenden und dem zur Verfügung stehenden Raum – fünfPersonen auf 15 Quadratmetern 63 oder zehn Personen auf 80 Quadrat-metern.64 Die wenigen Zimmer werden mehrfach genutzt, als Schlaf-,Ess-, Kinder- und Wohnzimmer gleichermaßen. Die daraus resultieren-den Herausforderungen im Alltag werden in Beschreibungen einzelnermaterieller Arrangements betont. Die Erzählungen verweisen auf über-frachtete und chaotische Verhältnisse, in denen Räume und Möbel ihreFunktionen ständig ändern. Bei einer Familie wird das Bett der Groß-mutter tagsüber zum Wickelplatz, die Küchentür dient als Tisch.65 Auchdie eingangs vorgestellte Familie Izairi hat keinen„ richtigen Esstisch":„ Gegessen wird auf der Couch vor dem Fernseher" 66. Während das Ehe-bett aus Platzmangel abgebaut im Keller steht, schläft das Paar mit demälteren Kind auf einem Lager aus Matratzen, die tagsüber gestapelt undverstaut werden.67 Fehlende partnerschaftliche Intimität, umständliche
61 Michael Klein: When Spectres Return. Wohnungswesen, Wohnreform und dieVorstellung vom guten Wohnen. In: Housing the Many. Stadt der Vielen(= dérive.Zeitschrift für kritische Stadtforschung, 56). Wien 2016, S. 4-9. Zur Angst derMittelschicht vor Verdrängung aus innerstädtischen Räumen siehe Susanne Frank:Unbehagen der Mitte. Die aktuelle Wohnungskrise und die urbanen Mittelschich-ten. In: RaumPlanung 169/4, 2013, S. 39-43.
62 Vgl. Andrea Uhrig: Nach Zwangsräumung: Familie wohnt zu zehnt auf 80Quadratmetern. Veröffentlicht am 28.01.2015, http: //news.veraendere-deine-stadt.de/ muenchen/ menschen- in- not/ artikel/ 0173- nach- zwangsraeumung- familie-
wohnt- zu- zehnt- auf- 80- quadratmetern.html( Zugriff: 16.8.2016).
63 Vgl. Andrea Uhrig: Traum vom neuen Leben endet auf dem Campingplatz.Veröffentlicht am 16.12.2013, http://news.veraendere-deine-stadt.de/muenchen/
menschen- in- not/ artikel/ 0037- traum- vom- neuen- leben- endet- auf- dem- camping-
platz.html( Stand: 16.8.2016).
64 Vgl. Uhrig 2015( wie Anm. 62).
65
N.N. 2014( wie Anm. 58).
66 N.N. 2016( wie Anm. 1).
67 Vgl. ebd.