Am Rande des Münchner
Wohnungsmarkts.
Subjektmodelle und moralischeAnrufungen in Reportagen zurWohnungssuche
Laura Gozzer
Anhand einer Serie von Artikeln zu Wohnungsnot in München fragt der medienanalytischeBeitrag, auf welche Weise gegenwärtige Wohnpreise und-vergaben in der Presse proble-matisiert werden. Durch das Anprangern von profitorientierten Vergabepraxen, das Skan-dalisieren prekärer Wohnverhältnisse, eine empathische Bezugnahme auf Bedürftige unddie Inszenierung karitativer Vorbilder stellen die analysierten Sozialreportagen diskursivePraxen moralischer Anrufung dar.
,, Zu viert auf 35 Quadratmetern❝1
So lautet der Titel einer im Januar 2016 in der Münchner Abendzeitungerschienenen Reportage. Eine Fotografie zeigt die betroffene Fami-lie auf einer schwarzen Ledercouch. Auf dem Schoß des Mannes sitztein Junge, beide blicken ebenso wie die Mutter lächelnd in die Kamera.Vor ihnen ist ein schlafendes Baby auf die Couch gebettet. FolgenderTeaser leitet den Artikel ein:„ Matratzen statt Betten und Frühstückam Couchtisch: Obwohl Fuat Izairi zwei Jobs hat, findet seine kleineFamilie keine Wohnung“. Auf einer weiteren Fotografie ist die Frau mitBaby auf dem Arm in einer kleinen Küche zu sehen. Ihre Wohnsituationbeschreibt sie als„ Katastrophe“.„ Es gibt keinen Platz zum Spielen, keineMöglichkeit, sich zurückzuziehen. Mein Mann ist total übermüdet, weildas Baby nachts weint und er keinen Schlaf findet und dann müde zur
1 N.N.: Zu viert auf 35 Quadratmetern. In: Abendzeitung, Nr. 6/1, 9.1.2016, S. 9.Ebd.
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