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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXI/ 120, 2017, Heft 1+ 2
der zweiten genannten Form sieht Kramer Potential, auch„ große Grup-pen, die über das Mittelmeer oder sonst woher kommen“, in Europaaufzunehmen( S. 173). Außerdem plädiert er für ein„ weltweites Systemdes Staatenfinanzausgleichs“ als planvolles und sinnvolles Instrument,um„ Armut und Elend zu mindern“ und das„ Problem der weltweitenMigrationsströme[ zu] entschärfen“( S. 182). Zuletzt nimmt Kramer ineinem Nachtrag zur innenpolitischen Situation in Deutschland im Früh-jahr 2016 Stellung und zeigt damit noch einmal an, was dieses Buch vorallem auch ist: ein Projekt, das Seite um Seite das gesellschaftspolitischeAnliegen des Autors transportiert. Denn wenn eines trotz sprachlicherMängel deutlich wird, dann, dass Dieter Kramer Position bezieht: gegenRassismus und Ausgrenzung, für Toleranz und ein gewaltarmes Mitei-nander.
Nadja Neuner
Jan Carstensen, Heinrich Stiewe( Hg.): Orte der Erleichterung.
Zur Geschichte von Abort und Wasserklosett
(= Schriften des LWL- Freilichtmuseums Detmold 38).Petersberg: Michael Imhof Verlag 2016, 126 Seiten, Abb.
Der gut aufbereitete, großzügig bebilderte und leicht lesbare Begleitbandzur Sonderausstellung„ Scheiße sagt man nicht!" des LWL- Freilichtmu-seums Detmold widmet sich aus der Perspektive verschiedener Diszi-plinen den historischen Entwicklungen von öffentlichen und privatenToiletten, diesbezüglichen Hygienevorstellungen und-maßnahmen undden landschaftlich- landwirtschaftlichen Prägungen und Modifikationendes veränderten Umgangs mit Fäkalien.
Wenngleich sich die inhaltliche Anordnung der zehn Beiträge nichtganz erschließt, so werden die einzelnen sehr ausführlichen und informa-tiven Texte dem Anspruch einer umfassenden Betrachtung der Themengerecht. Die durchwegs gut gewählten und präzisen Unterüberschriftengeben den Lesenden zudem gleich zu Beginn einen Überblick über diejeweils behandelten Aspekte. Die Artikel sind gut in den Kontext desAusstellungsthemas eingebunden, sind fundiert und ausreichend belegt,sowie trotz ihres wissenschaftlichen Anspruchs und den jeweils unter-schiedlichen disziplinären Zugängen ansprechend und spannend
zu lesen.