Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
Seite
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Literatur der Volkskunde

organisieren, und die Schwierigkeiten, die sich aus dem Umgang mit die-sem Erbe für das Kunstmuseum, aber auch andere Institutionen ergeben.

Alle diese Dimensionen der zeitgenössischen Entwicklung vonKunstmuseen veranschaulicht Graßkamp an Streitfällen und Debatten,in denen in mehr oder weniger larmoyantem Ton die Krise des Kunst-museums ausgerufen wird. Graßkamp dagegen nimmt derartige Vorfällezum Anlasse, mit analytischer Distanz an die Grundlegungen der Prob-lem dieser Institution heranzugehen- ganz im Sinne einer lobbyfreie[ n]Theorie des Kunstmuseums( S. 24), für die, so der Autor in der Einlei-tung, der vorliegende Band ein erster Baustein sein soll. Schon diesemBuch und dessen Thesen ist eine breite, neugierige und diskussionsfreu-dige Leserschaft zu wünschen, die sich an diesem Projekt beteiligt.

Klara Löffler

Manfred Seifert( Hg.): Die mentale Seite der Ökonomie.

Gefühl und Empathie im Arbeitsleben.

Dresden: Thelem Verlag 2014, 281 Seiten, Abb.

Der Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung der KommissionArbeitskulturen und des Bereichs Volkskunde am Dresdner Institut fürSächsische Geschichte zum Thema Arbeit und Emotionen. Beide For-schungsbereiche gelten als neu, sind in den Kulturwissenschaften jedochgut etabliert, wie Manfred Seifert in seiner informierten und vorbildlichaufgebauten Einleitung aufzeigt. Er skizziert zunächst das Forschungs-feld der transformierten Arbeitswelt im späten Kapitalismus und machtdabei deutlich, welche Rolle Gefühle auf dem postfordistischen Arbeits-markt spielen. In der subjektivierten Arbeit, z. B. beim Arbeitskraftunter-nehmer, sind affektive Qualitäten von konstitutiver Bedeutung. Als Mei-lensteine diesbezüglicher Forschung führt Seifert die Studien von ArlieRussel Hochschild und von Eva Illouz aus. Hochschild untersucht in TheManaged Heart"( 1983) den strategischen Einsatz von Gefühlsbekundun-gen in Serviceberufen( z. B. bei Flugbegleiterinnen). Gefühle werden aktivals Zusammenspiel neurologischer Abläufe und soziokulturell gesteuerterAkte erzeugt. Damit sind Gefühlssignale keine steuerbare Inszenierung,sondern Teil des emotionalen Selbstverständnisses der Akteur/ innen.Gefühlsmanagement wird mit Hochschilds Konzepten von emotion work

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