Literatur der Volkskunde
Walter Graẞkamp: Das Kunstmuseum.
Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion.
München: Verlag C. H. Beck 2016, 186 Seiten, s/ w- Abb.
Wie Arbeitsalltage bis hinein in den Umgang mit Räumen und Objektendurch Gründungslegenden, Mythen und Diskurse bedingt sein können,dies führt Walter Graßkamp aufs schönste und wie immer in präziser,klug abwägender und höchst anregender Form am Beispiel des Kunst-museums vor. Der Kunstwissenschaftler und Museologe seziert im vor-liegenden Band Logiken und Paradoxien des Kunstmuseums und diedamit verbundenen Probleme und Entwicklungen, wie sie heute auch aufandere Bereiche und Genres der Museumslandschaft ausstrahlen. Inso-fern sei dieser Band- wie insgesamt die Schriften Graßkamps – geradeauch, freilich keineswegs nur, der Lektüre volkskundlich- ethnographischorientierter MuseologInnen wärmstens empfohlen.
Es sind paradigmatische Felder, in denen Graßkamp die nicht sel-ten fatalen Wechselbeziehungen zwischen Diskursen und Praktiken derArbeitswelt Kunstmuseum aufzeigt. Dabei ist es ihm ein grundsätzlichesAnliegen, die gegenwärtig sich abzeichnenden Problemlagen immer auchin Beziehung zur Geschichte der Institution Kunstmuseum zu setzen.Den Referenzrahmen seiner Argumentation( weswegen auf diesen aus-führlicher eingegangen wird) liefert Graßkamp mit einem einführendenKapitel, in dem er die vielfachen Paradoxien des Kunstmuseums auffä-chert. Damit relativiert er von vorneherein jene Erklärungsversuche, diedie allenthalben diskutierten Schwierigkeiten des Kunstmuseums vorallem anderen in deren Abhängigkeit von ökonomischen und politischenRahmenbedingungen sehen wollen:„ Viele Gründe für die Krisenanfäl-ligkeit des Kunstmuseums sind aber in seiner Konstruktion angelegt,die von Grund auf paradox sind.“( S. 29) Graẞkamp spricht eingangsvom grundlegenden ökonomischen Paradox, wonach das KunstmuseumObjekte erwirbt, die mit hohen, teilweise unkalkulierbaren Folgekostenfür die Institution verbunden sind, die nicht als kostendeckend gedachtwar und angelegt ist. Das Kunstmuseum, eine weitere Paradoxie, sam-melt Dinge, die„ eigens für das Sammeln hergestellt worden sind“( S. 30),sammelt diese immer weiter und sammelt auch Dinge, die sich auf-grund ihrer Materialität nicht für das Sammeln eignen. Damit kommees zu einer immer deutlicheren Schieflage zwischen Depotbeständen undvergleichsweise wenigen Exponaten in der Schausammlung, zu einer
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