Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
Einzelbild herunterladen
 
  

Chronik der Volkskunde

gemeinsame Entdecken des urbanen Raumes und ein Teilen der eigenenSichtweisen im Mittelpunkt des Projektes. Die dabei entstandenen Bil-der wurden anschließend im Architekturzentrum Wien ausgestellt.

Zeit und Raum stellten auch in der Präsentation von Silvia Renhart( Archäologiemuseum Schloss Eggenberg, Universalmuseum Joanneum)zentrale Kategorien dar. Um das Thema Stadtentwicklung entwickeltesie ein Vermittlungsprogramm, welches im Archäologiemuseum SchlossEggenberg einen Ort des interkulturellen Lernens herstellte.

Anja Weisi- Michelitsch und Nina Zmugg( Steirisches Feuerwehr-museum) zeigten am Beispiel des Steierischen Feuerwehrmuseums aufbeeindruckende Weise, wie sich das Museum offen auf unterschiedlicheNutzungen der Ausstellungsräumlichkeiten einließ. Im Mittelpunkt desProjektes, mit dem leider Dualismen unterstreichenden Titel Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orienttrifft Okzident Glossar ::: zum Glossareintrag  Okzident", stand die Begegnung, Vernetzung sowie die gemeinsameGestaltung der Ausstellungsräume von Menschen unterschiedlicher Her-kunft. Auf ähnliche Weise engagierten sich auch Saskia Sailer und Chri-stine Humpl- Mazegger vom Arnulf Rainer Museum, die im Rahmen derLangen Nacht der Flucht in Zusammenarbeit mit den vor Ort wohnen-den Schutzsuchenden zu einem internationalen Begegnungstag einluden.Beide Projekte veranschaulichten, wie durch die Öffnung des Museumseine gemeinsame Auseinandersetzung mit den Bewohner* innen aus derUmgebung über Flucht, Migration und Zusammenleben möglich wurde.Die Ergebnisse wurden in Form von Fotografien und Kunstwerken inden jeweiligen Ausstellungsräumen sichtbar.

Beatrix Hain und Maria Bruck( Technisches Museum Wien) berich-teten über ihre Erfahrungen, einen Begegnungsort von Frauen fürFrauen zu schaffen, in dem die Besucherinnen über ausgestellte Alltags-objekte im Technischen Museum Wien dazu angeregt werden sollten,Wissen und Erfahrungen auszutauschen und miteinander und voneinan-der zu lernen.

Bei der Besprechung dieser doch beachtlichen Vielzahl engagier-ter Projekte dürfen dennoch wesentliche Momente einer kritischenAuseinandersetzung nicht übersehen werden. In den Beiträgen wurdenmuseale Repräsentationen in Frage gestellt und die Nutzung musealerRäume erweitert. Eine zentrale Diskussion, die immer wieder aufge-nommen wurde, nahm den wichtigen Aspekt der Rolle von Kunst- undKulturvermittler* innen bei Vermittlungsinitiativen für Schutzsuchendeoder Deutschlernende auf und der damit einhergehenden Ungewissheitdarüber, welche Voraussetzungen Kunst- und Kulturvermittlungsabtei-

117