Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde120 (2017) / N.S. 71Justnik, Herbert; Wanner, Anne: „Ihr Album unter der Lupe“ – Fotoalben als Nach-Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Ihr Album unter der Lupe“ – Fotoalben als Nach-Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg : Konzept und Genese einer Ausstellung zum alternativen Sprechen über private Fotoalben aus der NS-Zeit
Einzelbild herunterladen
 
  

Herbert Justnik und Anne Wanner ,,, Ihr Album unter der Lupe"

Die Familienangehörigen der Wehrmachtssoldaten, mit denen wirsprachen, standen zu ihren Vorfahren in sehr unterschiedlicher Bezie-hung: von in den 1940er Jahren Geborenen, die also selbst noch zu den Kriegskindern" 3 zählen und die ihre Väter oder Onkel noch sehr langeerlebt haben, bis zu Jahrgängen der 1980er, die ihre Großväter nur alsKind gekannt hatten und die entsprechend andere( und zuweilen sehrbrisante) Fragen zu deren nationalsozialistischer Vergangenheit heutean das Bildmaterial stellen. Wir sprachen mit Personen, die sich inten-siv der Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs widmen,mit solchen, für die dieses Thema weitgehend abgeschlossen ist, die aberdennoch ihre Alben ins Museum brachten, für die Ausstellung zur Ver-fügung stellten und danach wieder mit nach Hause nahmen. Schließlichführten wir auch Gespräche mit Personen, die ihre Alben ganz einfachlos werden, aber nicht wegwerfen wollten und sie also gerne der Foto-sammlung des Volkskundemuseums übergeben und der Forschung undeiner breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollten.

Das Gesprächskonzept

Am Beginn des Projektes stand das einfache Angebot an die Nachkom-men von Weltkriegsteilnehmern, mit uns ein offenes Gespräch über ihreprivaten Fotoalben zu führen inspiriert von dem bereits an anderenStationen der Ausstellung Fremde im Visier- Fotoalben aus dem ZweitenWeltkrieg durchgeführten Begleitformat Ihr Album unter der Lupe, in des-sen Rahmen Besucherinnen und Besucher ebenfalls aufgerufen wordenwaren, den photographischen Nachlass ihrer Vorfahren an den jeweili-gen Ausstellungsort mitzubringen und mit Museumsmitarbeiter* innendarüber zu sprechen.5

3

4

5

Vgl. hierzu u. a. Ludwig Janus( Hg.): Geboren im Krieg. Kindheitserfahrungen im2. Weltkrieg und ihre Auswirkungen. Gießen 2006; Sabine Bode: Die vergesseneGeneration- Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen. München 2015.

Die einzelnen Ausstellungsstationen sowie eine ausführliche Ausstellungsdokumen-tation sind unter www.fremde-im-visier.de abrufbar.

Im Historischen Museum Frankfurt, wo Fremde im Visier 2010 zu sehen war, wur-den die so ans Haus gekommenen Alben außerdem in einer Finissage- Ausstellungmit Biographiefragmenten der Zeitzeug* innen oder heutigen Albenbesitzer* innenpräsentiert.

93