Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde120 (2017) / N.S. 71Justnik, Herbert; Wanner, Anne: „Ihr Album unter der Lupe“ – Fotoalben als Nach-Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

  
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„Ihr Album unter der Lupe“ – Fotoalben als Nach-Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg : Konzept und Genese einer Ausstellung zum alternativen Sprechen über private Fotoalben aus der NS-Zeit
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92 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXI/ 120, 2017, Heft 1+ 2

der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Marianne Hirsch zurBeschreibung des Fortlebens traumatischer Ereignisse und Erinnerungenvon Holocaust- Überlebenden in deren Nachfahren geprägt worden ist.¹

Ein neues Sprechen über das nationalsozialistische Familienerbe

Fotoalben aus Privatbesitz gesucht! diesen Aufruf startete das Volks-kundemuseum Wien im Oktober 2016 im Rahmen der AusstellungFremde im Visier- Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg², die von 13. Okto-ber bis 19. Februar im Museum gezeigt wurde. Die Ausstellung präsen-tierte Fotoalben ehemaliger Wehrmachtsoldaten, die teils aus Museen,teils aus Privatbesitz stammten und den Blick der Soldaten auf Menschen,Landschaften und Kulturdenkmale in den besetzten Ländern während desZweiten Weltkriegs dokumentieren. Der Aufruf im Zuge des Rahmen-programms richtete sich nun an alle jene, die heute noch private Kriegs-fotos ihrer Väter, Onkel, Großväter oder auch weiblicher Verwandterbesitzen mit dem Ziel, mit den Nachkommen ins Gespräch zu kommenund über diese materialisierten Kriegserinnerungen zu reflektieren. DieResonanz war überwältigend: Mehr als fünfzig Personen, die noch Fotos,Feldpostbriefe und andere einschlägige Objekte aufbewahren, haben sichgemeldet, und im Zeitraum von Anfang November bis Ende Dezem-ber kamen schließlich etwa zwanzig Personen mit ihren Alben zu einemGespräch ins Museum, einige sogar mehrmals. Geführt wurden die Inter-views von Herbert Justnik und Anne Wanner als Kurator und Kuratorinder Fotosammlung, mit Unterstützung von Thassilo Hazod und GalinaSidorenko, die damals ein Volontariat im Museum absolvierten.

1 Marianne Hirsch: Family Frames: Photography, Narrative and Postmemory,Cambridge 1997; Marianne Hirsch: The Generation of Postmemory. Writingand Visual Culture after the Holocaust, New York 2012. Siehe auch Dori Laub:Erinnerungsprozesse bei Überlebenden und Tätern. In: Brigitta Huhnke und BjörnKrondorfer( Hg.): Das Vermächtnis annehmen. Kulturelle und biographischeZugänge zum Holocaust- Beiträge aus den USA und Deutschland. Gießen 2002,S.251-274. Zuletzt fragte der Wiener Künstler Friedemann Derschmidt, wie vielseiner teils tief im Nationalsozialismus verstrickten Familie in ihm selbst weiterlebt:Friedemann Derschmidt: Sag du es deinem Kinde. Nationalsozialismus inder eigenen Familie. Wien 2015.

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Näheres dazu auf der Ausstellungshomepage: www.fremde-im-visier.de, bzw.im Begleitbuch zur Ausstellung: Petra Bopp und Sandra Starke( Bearb.): Fremdeim Visier: Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg. Bielefeld 2009.