Jahrgang 
120 (2017) / N.S. 71
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Editorial

Das vorliegende und das folgende Heft der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde verfolgen in den Abhandlungen einen Themenschwerpunktauf Dinge, Praktiken und Diskurse, der- erstmals aus einer inter-disziplinären Gastherausgeber* innenschaft hervorgeht. Ausgangspunkthierfür war eine Tagung im November 2015 zum Thema Treffpunkte:Dinge Praktiken- Diskurse, die das Institut für Europäische Ethno-logie und das Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universi-tät Wien gemeinsam organisierten. Die Tagung war in den Rahmen desForschungsschwerpunkts Wirtschaft und Gesellschaft aus historisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive eingebettet und widmete sich derinterdisziplinären Verständigung zwischen Diskursforscher* innen, kul-turwissenschaftlich auf die Prozessualität gesellschaftlicher und histori-scher Phänomene zielenden Praxeolog* innen und Dinganalytiker* innen.Gesucht waren Schnittstellen zwischen diesen jeweils disziplinär wieinstitutionell etablierten Forschungsfeldern. Die aus dieser Tagung her-vorgegangenen und nun in der ÖZV abgedruckten Abhandlungen bie-ten hierzu Tiefenbohrungen aus verschiedenen Perspektiven und führenganz unterschiedliche Dinge, Praktiken, Diskurse auf-- stets indes nachder Schnittfläche zwischen diesen Fokussierungen fragend.

Ausgangspunkt der Überlegungen boten Dinge als eine für die Euro-päische Ethnologie zentrale Quellengruppe. Dinge verfügen über Prä-senz, sind sperrig, belegen Platz, fordern Aufmerksamkeit. Sie habenoder nehmen Anteil an Handlungen, ebenso stehen oder stellen sie sichihnen oft entgegen. Sie öffnen einen Raum des Sag-, Denk- und Zeig-baren, wie dieser umgekehrt Handlungspotentiale von Dingen konstitu-iert. Ihre Handlungsmacht, aber auch deren Grenzen zeigen sich zudemin Praktiken, den routinisierten und habitualisierten Formen des kollek-tiven und individuellen Handelns.

Dinge lassen sich immer von mehreren Seiten betrachten. Dennochnehmen auch in den historischen Kulturwissenschaften Praxeologie undDiskursforschung allzu oft nur eine Seite- entweder die der Praktikenoder die der Diskurse in den Blick. In beiden Fällen werden Dingemeist bloß als Ansatzpunkt oder Ausdrucksmittel behandelt, angesie-delt am unscharfen Rand des jeweiligen Fokus. Diese eingespielte Sepa-rierung von Ding-, Praxis- und Diskursanalyse in Frage zu stellen undaufzubrechen, ist der Ausgangspunkt des Themenschwerpunktes. Die