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Literatur der Volkskunde
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denen eine sensibel aufgebaute Feldbeziehung spricht. Die Frage nach denDingen bedeutet also längst keine Verharmlosung des Themas Migration,sondern eröffnet in der Tat neue- und hoffentlich fortzusetzende- Wege zumultilokalen Lebensformen und zur Ethnographie ihrer Konkretisierungen.( BT)
KORRE- ZOGRAFU, Katerina: Χρυσικών έργα 1600-1900. ΣυλλογήK. Notapά[ Goldschmiedearbeiten der Sammlung K. Notaras 1600–1900].Athen, Literarisches und Historisches Archiv, 2002, 504 Seiten, Farbabb.
Katerina Korres- Zografou, heute führende Forscherin auf dem Sektor dergriechischen Volkskunst und Ordinaria für Volkskunde an der Philosophi-schen Fakultät der Universität Athen, hat schon mehrere Schau- und Pracht-bände, die an dieser Stelle angezeigt werden konnten, vorgelegt. Doch dieserübertrifft in Aufmachung und Ausstattung die üblichen Bildbände bei wei-tem: Es geht um die wissenschaftliche Erfassung und Deskription vontraditionellen Silber- und Goldschmiedearbeiten der Griechen aus der Tür-kenzeit, die in einer der bedeutendsten Privatsammlungen in Griechenlandlagern und bisher unzugänglich waren. Die Kollektion geht auf einen einzi-gen Sammler zurück, einen Auslandsgriechen aus Kanada, der diese Stückein den letzten 30 Jahren auf dem internationalen Kunstmarkt erworben hat.Die Erforschung und Darstellung der sorgfältig, offenbar nach ästhetischenKriterien, ausgewählten Schaustücke geht systematisch vor, bringt Informa-tionen zur historischen Entwicklung der Objektgattungen, zu Material undBearbeitung, zu den Schmiedegilden und herausragenden Einzelpersönlich-keiten, zu Preis und Handel der Objekte, zur Verwendung, zur Analyse derfigürlichen Abbildungen und sie bringt geographische und historischeVergleiche. Eine ausführliche Einleitung( S. 13-46) macht auch mit derkeineswegs herausragenden sozialen Stellung der Silber- und Goldschmiedein der Volkskultur vertraut. Rechnungen und einschlägiges Archivmaterialwerden hier dargeboten, Zitate aus Volksliedern und Reiseberichten: dasoptische Schaumaterial setzt keinen Augenblick aus. Volks- und Kunstma-lerei werden ausgewertet, dazu Trachten und anderes; Objekt- und Berufs-bezeichnungen werden analysiert; geboten wird ein historischer Abriss desBerufs seit der Zeit der venezianischen Herrschaft in Griechenland( S. 47 ff.). Sodann geht die Beschreibung auf die einzelnen Herstellerzen-tren ein( S. 49 ff.), auf Klosterbestellungen für den Berg Athos, auf dieeinzelnen namentlich bekannten Silber- und Goldschmiede selbst( S. 62 ff.)und ihre Signaturen auf den Objekten( S. 74 ff.).
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