2003, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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BRETZ, Ulrike u.a.( Red.): Bewegliche Habe. Zur Ethnografie der Mi-gration. Begleitband zur Ausstellung im Haspelturm des Schlosses Ho-hentübingen vom 14.2. bis 16.3.2003. Tübingen, Tübinger Vereinigung fürVolkskunde, 2003, 120 Seiten, s/ w- Abb.
Der anzuzeigende Band dokumentiert die Ergebnisse eines studentischenForschungs- und Ausstellungsprojektes( Leitung: Bernd Jürgen Warneken)des Tübinger Uhland- Instituts. Titel und Untertitel signalisieren, dass hierspannendes Neuland betreten wird: Zumindest im deutschsprachigen Raumist bislang Migration wenig in ethnographischer Perspektive und vor allemnicht mit einem Blick auf Dinge und Dingbeziehungen untersucht worden.Gleichwohl gibt es- auch im Fach selbst- Überlegungen zur ,, materiellen"Erinnerungskultur, an die sich anknüpfen ließ. Einen solchen Zugang zuerkunden, war Ziel des Projektes es ging um die Rolle der Habe inMigrationsprozessen und die Frage, welche spezifische Bedeutung denDingen in Übergangssituationen zukommt. Tilmann Habermas' Studie„, Ge-liebte Objekte"( Frankfurt am Main 1996) lieferte dafür mit seiner Benen-nung von ,, Reflexionsobjekten“,„ Souvenirs“ und„ Identitätssymbolen"wichtige Begriffe.
Der Band enthält zwanzig Texte mit 23 einfühlsam verfassten Portraitsvon Migrantinnen und Migranten, die in biografischen Interviews vonStudierenden( allein oder in kleinen Gruppen) unter anderem nach ihrenLieblingsdingen gefragt wurden. ,, Bewegliche Habe" zielt also nicht aufallgemeine Materialisierungen von Migration, sondern auf die individuellerfahrene Beziehung zu Dingen zwischen ,, Herkunft“ und„, Ankunft“. Dassind sehr berührende Geschichten, die zum einen Teil von den deutlicherinnerungsorientierten Dingen handeln, zum anderen Teil Persönlichesthematisieren, das als Verkörperung der Integrationsbemühungen und-pro-bleme gelten kann. Vielen der vorgestellten Dinge hängt aber etwas vom,, Dazwischen" an, in dem sich die portraitierten zwölf Frauen und elfMänner bewegen: B. J. Warneken spricht daher in seiner Einleitung von,, Brückenobjekten"( interkulturellen und biografischen) und betont die Be-deutung von Kommunikationsmitteln in der individuellen Gestaltung„ kul-tureller métissage“.
Abgerundet wird der Band von einer Reflexion zu den Felderfahrungender Studierenden- die Interviews wurden zum größten Teil in Übergangs-wohnheimen geführt- und er unterstreicht damit, dass ein Teil der Ergeb-nisse im Forschungsprozess selbst liegt. Das zeigen auch die den Texten andie Seite gestellten Fotografien( verantwortlich Annemarie Hoppe), aus