Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Technisierung der Landwirtschaft, die beschleunigte Industrialisierung, diekommunistische Bildungspolitik und die Massenmedien als Faktoren, dieeinerseits zu einem tiefgreifenden Wandel der Erwerbsgrundlagen, derArbeitswelt und Werte führen, andererseits aber auch nachhaltig den Alltagin der Nachkriegszeit prägen und das Familien- und Haushaltssystem ver-ändern. Im Vordergrund bleibt auch für die jüngere Vergangenheit derVergleich der zwei Lokalgemeinschaften, so dass dadurch sowohl die größe-ren Zusammenhänge als auch die Breite der Entwicklungsmöglichkeitenund inneren Differenzierungen sichtbar werden.

Zugleich deutet die Herangehensweise auf einen gewissen inneren Wi-derspruch der Untersuchung hin, denn das Grundprinzip der Forschungdie Mikrountersuchung lokaler Gemeinschaften lässt sich nicht problem-los mit dem Strukturvergleich von Zivilisationen verknüpfen. Als wesentli-ches Ziel gibt der Autor an ,,[...] auch die weiteren europäischen Dimensio-nen der Familienentwicklung zu reflektieren( S. 34). Ausgangspunkt dafürbildet das Heiratsmodell von Hajnal, das zwischen einem ,, europäischen"und einem ,, nichteuropäischen Heiratsmuster strikt unterscheidet. Daraufbaut die zeitgenössische Diskussion um ,, Ost- West"-Differenzen der Fami-lienstrukturen auf, in der sich zwei idealtypisch herausgearbeitete Famili-enformen kontrastierend gegenüberstehen: eine auf( patrilinearer) Ver-wandtschaft fuẞende komplexe Familienform einerseits, die als gesell-schaftlich dominante Erscheinung für die europäischen Gebiete östlich einergedachten Linie zwischen Triest und St. Petersburg( re-) konstruiert wird,und eine für ,, Nordwesteuropa" als dominant ausgemachte Kernfamilien-struktur andererseits. Die Generalisierungen für Westeuropa sind heutedurch zahlreiche konkrete Untersuchungen in Frage gestellt worden- soerscheint die Kontrastierung der zwei kroatischen Dörfer durch ein Gesamt-bild ,, Westeuropa( S. 99, 145, 257, 352) nicht weiterführend und für diekonkrete Arbeit auch entbehrlich.

Auch wenn die Untersuchungen von Hannes Grandits nur sporadisch zusolchen asymmetrischen Vergleichen tendieren, birgt doch der en grosvorgenommene Vergleich der Familienstrukturen ein wesentliches metho-disches Problem: Die ,, Mikro- Historie" als methodischer Ansatz setzt diemöglichst umfassende und konkrete Analyse historischer Besonderheiten( in ihren historisch sich verändernden sozialen, ökonomischen, politischenund kulturellen Kontexten) voraus; der Kulturvergleich auf der Makroebenefuẞt dagegen, um Grundstrukturen sichtbar machen zu können, auf derbewussten Überzeichnung von Unterschieden. Dieses Spannungsverhältnisführt in der Untersuchung dazu, dass bei der Suche nach Modellen vieleAusnahmen und innere Differenzierungen unbeachtet bleiben müssen. Sogeht etwa der Autor bei der Betrachtung des Erbsystems vom Konstrukt