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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
haben( in vorindustrieller Zeit war die Sesshaftigkeit der erstrebenswerte,die Unstetigkeit für die armen Schichten der notwendige Zustand), hat auchdie ,, freie Fahrt für freie Bürger“ als Faszinosum spätmoderner Individua-lisierung schon einige Schrammen abbekommen, ist anfänglicher Euphoriesukzessive Desillusionierung gefolgt: Die Werbebotschaften gehen nichtauf, die Allbeweglichkeit stößt im Paradoxon der Massen- Individualmobili-tät an ihre Grenzen, nicht nur im Stillstand des Staus, sondern auch bei densteigenden Folgekosten, die viele nicht mehr zu zahlen bereit sind. Je mehrLeute sich auf das postulierte Grundrecht der( Auto-) Mobilität berufen,desto weniger ist das individuelle Freiheitsversprechen einzulösen, destostärker wird der strukturelle Druck hin bis zur Zwangsmobilität.
So kommt es, dass manche im Alter zum Verkehrsmittel ihrer Kindheit,dem Fahrrad, zurückkehren. Wie heute schon viele Einbahnen einen Rad-fahrstreifen gegen die Fahrtrichtung haben( Fachjargon:„, unechte Einbah-nen"), ist auch die biografische und zivilisatorische Einbahnstraße( ,, Cul-turfortschritt“) vom Fahrrad zum Motorrad und zum Auto eine unechte: Esgibt ein Leben neben, nach und auch überhaupt ohne Auto. Hier kommt soetwas wie Hoffnung auf, dass die Idee von der Intermodalität der Ver-kehrsmittelwahl, also die Nutzung des jeweils der Situation angepasstenVerkehrsmittels, mehr ist als ein Denkkonstrukt verkehrspolitischer Gut-menschen.
Wolfgang Wehap
Narodna Umjetnost. Croatian Journal of Ethnology and Folklore Re-search 38/1( 2001), 173 Seiten; 38/2( 2001), 231 Seiten, Abb. und Musikno-ten; 39/1( 2002), 169 Seiten, Abb.; 39/2( 2002) 263 Seiten, Musiknoten.
Die letzten beiden Jahrgänge des Fachorgans für Kroatische Volkskundehaben in schöner Folgerichtigkeit vier Bände herausgebracht, von denen derjeweils erste Jahresband in Englisch verfasst ist, der zweite in Kroatisch.Der erste Band des Jahrgangs 2001 umfasst neun Studien, von denen dieersten den gender studies angehören und den sozialen Status der Fraubeschreiben. Die erste Studie führt gleich nach Finnland: Pirkko Moisala,, Gender Performance in a Finnish Dance Restaurant: Reflections on aMulticultural Fieldwork Experiment“( S. 7 ff.), während sich die zweite mitprofessionellen Musikantinnen in Kroatien beschäftigt: Naila Cerbašić ,,, InBetween Ethnomusicological and Social Canons: Historical Sources onWomen Players of Folk Music Instruments in Croatia"( S. 21 ff.), auch die,, Damenkapellen“ um 1900 kommen hier zur Sprache. Die folgende Studieführt nach Westafrika: Mojca Piškor ,,, The Importance of Being a Jali Muso:
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