498
Literatur der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
Darstellungen über das Nahrungsverhalten, über die Transportmittel derLandler, über das Handwerk, die Winzerterminologie, das Zusammenlebenmit den Roma, zur Siedlungsgeschichte, zur baulichen Entwicklung undvieles mehr. Im Anhang runden eine Biographie über den SiebenbürgischenPfarrer und Historiker Helmut Klima( 1915–1990) sowie Zeitzeugenberich-te über die Russlanddeportation und über Fluchtversuche aus dem kommu-nistischen Rumänien die Publikation ab.
Die Herausgeber weisen selbst darauf hin, dass in dem Sammelband rechtdisparate Beiträge enthalten sind, die denn auch weniger dazu einladen,einer nach dem anderen gelesen zu werden. Wer dies dennoch tut, wird sichüber zahlreiche Wiederholungen( insbesondere die Ansiedlungsgeschichtebetreffend) ärgern. Dankbar ist der Leser daher für das ausführliche Regis-ter, das die Erschließung des Sammelbandes wesentlich erleichtert. Mit dervorliegenden Publikation erhält man mehr als nur einen Einblick in Ge-schichte und Kultur der Österreicher in Siebenbürgen: eine Spurensicherungmit einer Fülle an Beweismaterial.
Christian Glass
NÉMETH, Balázs:„ Gott schläft nicht, er blinzelt uns zu". Evangelisch-reformierte Lebensgestaltung zwischen Kontinuität und Wandel- Ungarnim 16. Jahrhundert als Beispiel(= Beiträge zur Volkskunde und Kulturana-lyse, N.F. Bd. 3). Frankfurt am Main u.a., Peter Lang Verlag, 2003, 297Seiten.
Religiöse Volkskunde war- und ist es im deutschen Sprachraum immernoch eine Forschungsrichtung, die auf die einzelnen Erscheinungen desvulgären Christentums in seinen konfessionellen Spielarten einging undversuchte, durch Beschreibung der Handlungen und Objekte so etwas wieeinen Zugang zu den Überzeugungen und religiösen Anschauungen zugewinnen. Dabei setzt sie einerseits auf die Erfassung und Beschreibung dereinzelnen Vorgänge und Gegenstände, deren Verbreitung, ihren Sitz imLeben, andererseits kam sie nicht umhin, ideologische Vorstellungen mitdiesen Befunden zu verbinden wobei das Problem nicht selten darin.besteht, derartige Erscheinungen in ihren Wurzeln als uralt, also vorchrist-lich zu deuten. Die Begrenztheit derartiger Methoden ist deutlich, weil einevorrangig unhistorische Vorgangsweise zur Norm der Erklärung erhobenwird.
-
Dementsprechend differenzierter sind Bemühungen um religiöse Volks-kunde anderswo, die nun allmählich auch in den Bereich des deutschen