Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
469
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2003, Heft 4

Chronik der Volkskunde

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Faszination Berge: Chancen und Gefahren des Tourismus imAlpenraum seit 1750

Internationaler Kongress der Internationalen Gesellschaftfür historische Alpenforschung in Innsbruck

vom 24. bis 27. September 2003

Das trotz einiger Ausfälle immer noch dicht gedrängte Programm derTagung war zu drei Schwerpunkten zusammengefasst: ,, Mythos und Reali-tät der Berge ,,, Erschließung der Alpen und, Alpenländische Gastgebe-rInnenkultur"-die Alpen also von der Drachenheimat bis zum Sportgeländeund Erholungspark unserer Tage. Insgesamt und besonders in der erstenHälfte der Tagung waren viele Beiträge der Periodisierungsarbeit gewidmet.Hier wiederum lag ein gewisses Gewicht auf den zögerlichen Anfängen dertouristischen Nutzung des Alpenraums. Besonders faszinierend ist offenbar daslustvermischte Grausen, das den Blick aufs Gebirge in dieser Phase kennzeich-nete, das vielleicht aber- so die in der Diskussion angemeldeten Bedenken-zu groß geredet wird. Rund um Wahrnehmungs- und Sichtweisen, Umgang undMotivation also über das Verhältnis von Menschen zu Gebirgen quer durchdie Zeiten, war vieles zu hören, das man kennt, wenn man sich ein bisschen imThema umgelesen hat. Oft zitierte Literatur und vielfach behandelte Protagonis-ten wurden auch hier abermals bearbeitet, vor allem Petrarca und ,, Die Alpen",Albrecht von Haller, Horace Bénédict de Saussure, Belsazar de la MotteHacquet, Johann Jakob Scheuchzer sowie Jean- Jacques Rousseau.

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Eine ideen- und mentalitätsgeschichtliche Skizze in diesem Sinn liefertenz. B. Gilles Bertrand, der über den Wandel des Bergbildes in französischerReiseliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts referierte, oder der Input vonRuth und Dieter Groh Von den schrecklichen zu den erhabenen undnützlichen Bergen". Ebenfalls im Bereich der Wahrnehmungen bewegtensich Gunda Barth- Scalmani und Kurt Scharr. Unter dem Motto ,, Von derStrecke zum Raum interpretierten sie Darstellungen zweier exemplarischherausgegriffener Routen über den Brenner und durch das Höhlenstein-tal-in unterschiedlichen Auflagen des ,, Baedeker in die Richtung ver-änderter Sehgewohnheiten und einer Verdichtung der Information im Zugedes infrastrukturellen Ausbaus und verkehrstechnischer Neuerungen.

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Vielschichtig war die Tour d'horizon von Hans Heiss zu ,, Entwicklungs-etappen in der Geschichte des Tourismus 1830-2002" angelegt, die zumTagungsauftakt vor allem auch die Potenziale unterschiedlicher Zugänge zuTourismuswissenschaften aufzeigte. Desiderate ortete er dabei unter ande-rem in der Körpergeschichte unter dem Aspekt der Selbstwahrnehmung undin der Geschlechtergeschichte. Sein Schlussplädoyer galt der interdiszipli-