2003, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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zu ermöglichen, nicht die Wissenschaft, sondern die Welt, in der sie leben,zu verstehen, über sie nachzudenken und vor allem über sie zu sprechen.Die Wissenschaft entwerfe ein Bild der Welt und dieses Bild müsse zugäng-lich gemacht werden, wofür das Museum der ideale Ort sei. Anhand meh-rerer Beispiele führte Fischer die gemeinsame Basis von Wissenschaft undKunst aus und erläuterte ihre Sichtweisen auf die Welt, die sie im 19. und20. Jahrhundert entwarfen.
Um zum Titel des Vortrages zurück zu kehren: Fischer erläuterte, welchesGesprächsthema Einstein und Picasso bei einem Treffen vielleicht gewählthätten. Die Relativitätstheorie ließe sich beispielsweise anhand von PicassosWerken wunderbar veranschaulichen, die den Zusammenhang von Raum undZeit vor Augen führen und den Begriff der Gleichzeitigkeit thematisieren.Ebenso zeige der Kubismus, dass die Welt aus geometrischen Formen bestehe,wie auch die Physik den Zusammenhang von Raum und Masse nur über dieGeometrie erklären könne. Auch die Quantenphysik lasse sich über die Kunstverstehen: Atome haben eine eigene Form von Wirklichkeit, sie sind einSammelsurium von Möglichkeiten, sind also keine Gegenstände, sondernFormen. Dies bedeutet, dass die Welt eigentlich abstrakt ist, ganz so wie sieunter anderem Kandinsky gemalt hat. Anhand der romantischen Kunst ließesich etwa verdeutlichen, dass die Wissenschaft der Natur ihr Verständnisaufzwinge, dass Wissenschaft das Produkt des menschlichen Geistes sei. UmWissenschaft verständlich zu machen, sei es also unumgänglich, Gleichnissezu finden zum Beispiel Kunstwerke-, die die Bilder, die von der Wissenschaftgeschaffen werden, auch sinnlich wahrnehmbar werden lassen.
Anschließend an die Diskussion des Vortrags fand die Generalversamm-lung des Österreichischen Museumsbundes als letzter Programmpunkt die-ses Vormittags statt.
Das Nachmittagsprogramm startete mit dem Vortrag ,, Wir haben denelfenbeinernen Turm schon lange verlassen“ von Gerhard Tarmann vomTiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Er erklärte zunächst das Bild des,, Elfenbeinturms", das von französischen Künstlerkreisen des 19. Jahrhun-derts geprägt worden war und ein Symbol für die selbstgewählte Isolationvon Künstlern und Wissenschaftlern geworden ist. Heute, in einer vomKosten- Nutzen- Denken geprägten Gesellschaft, sei dieses Bild durch unddurch negativ besetzt und tiefere Erkenntnis nicht mehr gefragt. Der Druckder Öffentlichkeit auf die Museen wachse, maximale Marktorientierung undmaximale Besucherzahlen werden gefordert. Die Erwartungshaltungen derPolitik, der Wirtschaft und der Presse seien vielfältig( Publicity, Events,Tourismus, Bildungspolitik, Neuentdeckungen, Sensationen etc.).
Einen Ausweg aus dieser Situation könnten die Museen finden, wenn esihnen gelänge, den Nutzen ihrer Kerntätigkeiten deutlich zu machen. Tar-