Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Das lädt ein, Konzept und Parcours auch als Statement zum ,, Gegen-wartsnutzen von historischer Volkskultur zu verstehen und nach den Per-spektiven zu fragen, die sich daraus gewinnen lassen. Zunächst aber wirddie Aufmerksamkeit den Grundzügen der Gestaltung gelten. Sie ist ananderer Stelle bereits ausführlich besprochen- und gelobt- worden², sodass hier einige akzentuierende Anmerkungen genügen mögen. Dass die mitder Sanierung verbundene räumliche Reorganisation der um die historischeKlosteranlage gruppierten Gebäude gelungen ist, spürt man schon, wennman sich dem Museum nähert: von der aus der Paulustorgasse ansteigendenRampe über die nach vorne in das sog. Stöckelgebäude ausgelagerte Kassamit Shop, den früher seltsam undefinierten Hof bis zum Eingang in dieSchauräume wird man nun von einer adäquaten Gestaltung geleitet- siespricht die Sprache eines zeitgemäßen Museumsbetriebs und schafft es ohnegroßen Aufwand, etwas Ordnung in das amorphe Ambiente zu bringen.Dieser Eindruck setzt sich im Inneren fort, unglückliche Eingriffe derjüngeren Vergangenheit konnten größtenteils zurückgenommen werden.Und alles in allem lässt sich der historische Ort heute besser erfahren alszuvor, denn dass sich die Ausstellungsräume um einen Kreuzgang gruppie-ren, blieb früher wohl vom Publikum weitgehend unbemerkt. Die mit derneuen Transparenz gewonnene Orientierung wiegt jedenfalls schwerer alsdas Aufbrechen der durch die Klosterzellen vorgegebenen Ordnung. Den-noch könnte mit guten Argumenten darüber diskutiert werden, ob dasVerschleiern der baulichen Strukturen im Detail- durch das Umbauen vonWänden mit Wanddisplays von ganz immateriellem Charakter oder durchdie( mit technischen Erfordernissen begründete) abgehängte Decke- indieser Konsequenz einem Museum in denkmalgeschützten Mauern ange-messen ist.

,, Die Ausstellungsarchitektur des Jahres 2003"( von der Architektengrup-pe BEHF, verantwortlich: Erich Bernard) versteht sich, so ein Ausstellungs-text, als ,, neutrale Bühne, welche die Objekte voll zur Geltung bringt.Diese Haltung( wenngleich der Glaube an eine neutrale Gestaltung zu dennaiven Mythen der Moderne gehört) kann man aus der Geschichte desMuseums heraus gut nachvollziehen und als Reaktion auf den Überhang anTradition verstehen, der das Haus von seiner Einrichtung unter Viktor vonGeramb( ab 1913) bis in die Zeit der Schließung und verzweifelten Suchenach neuen Konzepten beherrscht hat. Eine solche Haltung verlangt aller-dings nicht nur ,, starke Exponate, sondern auch ,, durchgearbeitete Arran-gements im Sinne einer Anordnung der Objekte im Raum und in Korrespon-

2 Vgl. Wächter- Böhm, Lisbeth: Flanieren durch den Alltag. In: Die Presse, Sa.,24. Mai 2003, Spektrum S. IX.