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Bernhard Tschofen
ÖZV LVII/ 106
Jahr mit einer Ausstellung ,, S.O.S. Zur Rettung der MAK- Samm-lung“ an die Öffentlichkeit. Das verwundert in einem Haus, in demsich die( kunstgewerblichen) Kollektionen im vergangenen Jahrzehntkaum behaupten konnten weder in der vor zehn Jahren eröffnetenSchausammlung noch in dem zwar als Sammlung inszenierten Schau-depot und schon gar nicht in den Ausstellungen des Hauses, dieentweder in ihrem gestaltungsgeschichtlichen Ansatz mit den histo-rischen Kunstgewerbebeständen nicht recht zu bestücken waren oderaber den Anspruch, ein( weiteres Wiener) Museum zeitgenössischerKunst sein zu wollen, in den Mittelpunkt stellten. Laut Selbstbe-schreibung wollte die Ausstellung Folgendes erreichen: ,,, S.O.S. ZurRettung der MAK- Sammlung' rückt die zentrale Bedeutung desSammelns in den Mittelpunkt. Diese Ausstellung symbolisiert einenpragmatischen Neubeginn, Sammlungen als identitätsstiftende Orteder Auskunft über kulturelle und künstlerische Vorgänge unserer Zeitzu sehen. Als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung und überdau-ernde Repräsentation menschlicher Geschichte." 37 Freilich, das sindgroße Worte, aber dahinter scheinen doch konzeptionelle Überle-gungen und der Wunsch nach ernsthafter Auseinandersetzung mitdem öffentlichen Auftrag von Museen zu stehen wenn auch, be-trachtet man die Konkretisierung des Projektes, deutlich wird, dassein Gutteil seiner Kapazität allein im Marketing gelegen hat und nochwenig über das Erkennen der Notwendigkeit einer neuen Sammlungs-politik hinausgeführt hat. Wie immer: Der plakative Titel„ S.O.S“mag auch ein Indiz dafür sein, dass die neuen Kunstmuseen denkonventionellen Kulturmuseen mehr als nur ihre erfrischende Artvoraus haben. Während nämlich in diesen Theorie und Praxis zuse-hends auseinandergehalten werden und damit Nachdenkprozessevon den Präsentationen ferngehalten werden-, ist in der, Kuratoren-kunst der Ausstellungshäuser und Kunsthallen, die Theorie' längstein wichtiges Ausstellungsthema: Auch an Statements zur Sammel-barkeit von Welt und den Möglichkeiten ihrer ethnographisch- künst-lerischen Sichtung fehlt es dabei nicht. 38 Ein sich in Freibeuterei37 Zit. n. Ausstellungsfolder bzw. Einladungstext; ein Katalog ist nicht erschienen.Die Neue Zürcher Zeitung kommentierte die Ausstellung als S.O.S.- Funkruf anpotentielle Sponsoren, vgl. NZZ, Nr. 222, Mi., 25. September 2002.38 Prototypisch etwa die Ausstellung„, Lifestyle. Kunstwelt ohne Grenzen?" desKUB/ Kunsthaus Bregenz( 1998); vgl. Bianchi, Paolo( Red.): Lebenskunst alsReal Life(= Kunstforum international 143), 1999. Aktuelle Beispiele bieten die,, thematischen" Ausstellungen der Kunsthalle Wien: ,, Attack! Kunst und Krieg