Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVII/ 106, Wien 2003, 405-429
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Museen der Kultur – Kultur der MuseenPerspektiven volkskundlicher Museumsarbeit¹
Bernhard Tschofen
Die Veränderungen in den europäischen Museumslandschaf-ten, wie sie unter anderem von der Entstaatlichung des Kul-tursektors ausgelöst und begleitet werden, scheinen derzeitzwei große Verlierer zu kennen: Neben den Universalmuseensind das die Häuser, die ein breites anthropologisches Konzeptvon Kultur vertreten und deren Sammlungs- und Zeigetradi-tionen auf ,, Kultur als Ganzes" zielen. Neben renommeebe-dingten Startnachteilen auf dem„, freien Markt" sind sie offen-sichtlich von der Krise der ,, Repräsentation" als fraglich ge-wordener Abbildbarkeit von Kultur besonders betroffen. DerBeitrag versucht, die Problembereiche- Kulturbegriff undRepräsentation, Sammlungsstrategie und Konzeption materi-eller Kultur- zu benennen und zu analysieren. Schließlichformuliert er einige Konditionen für eine zeitgemäße kultur-wissenschaftliche Museumsarbeit, die der Verfasser in trans-versalen, memorialen, explorativen und im Ganzen reflexivenZugängen zu Kultur und Gesellschaft sieht.
,, Das fröhliche Ende der Hofratskunst“ verkündete das Feuilleton derNeuen Zürcher Zeitung im Sommer 2002 in einem großen Artikelüber ,, Österreichs Museumslandschaft“. 2 Ein kluger Beitrag, der dieTücken des Wandels benennt, wie er durch die Ökonomisierung undPolitisierung der Museen hervorgerufen worden ist. Und der vorallem einen Vorgeschmack auf den Konkurrenzkampf zwischen deneinzelnen Häusern und um die Besucher gibt, wie er angesichts rasantgewachsener Ausstellungsflächen hierzulande mittlerweile neue Di-mensionen erreicht hat. Doch zugleich ist der Artikel symptomatisch1 Überarbeitete, ergänzte und mit einem Anmerkungsapparat versehene Fassungeines Vortrags beim Festkolloquium ,,, MuseumsPerspektiven- 150 JahreGermanisches Nationalmuseum“, Nürnberg 14./15. September 2002.
2 NZZ, Nr. 190, Mo., 19. August 2002( Internationale Ausgabe, Feuilleton, S. 19).3 Seit Sommer 2003 gibt es Ansätze einer öffentlichen Debatte um Profilbildungund stärkere Steuerung der Programme in den eben erst entstaatlichten Wiener