2003, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Volkskundler Christoph Daxelmüller. Enzyklopädischem in Erbauungs-schriften spürt der Freiburger Germanist Reinhart Siegert nach, den Tenden-zen in der deutschen Publizistik und Volksaufklärung des 18. Jahrhundertsder Bremer Pressehistoriker Holger Böning. Die Zürcher Kinder- und Ju-gendliteraturforscherin Verena Rutschmann geht der Frage nach, ob die vonJohann David Wyss im ausgehenden 18. Jahrhundert konzipierte Sacherzäh-lung ,, Der Schweizerische Robinson" als eine erzählte Enzyklopädie geltenkann. Der Basler Musikwissenschaftler Hans- Georg Hoffmann beschäftigtsich mit dem Einfluss der Musik auf„ die Bildung der Gemüther“, dieBerliner Historikerin Ina Ulrike Paul mit der Tradierung von Nationalste-reotypen in europäischen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts. UwePuschner, ebenfalls Berliner Historiker, verfolgt die Gegenwart des Mittel-alters in lexikalischen Geschichtsbildern. Das Schweizerische Landesmu-seum als visuelle Enzyklopädie der vaterländischen Geschichte ist Themades Beitrags des Zürcher Literaturwissenschaftlers Alfred Messerli. Popu-läres Wissen über den menschlichen Leib analysiert der Zürcher HistorikerJakob Tanner. Und schließlich behandelt der Bremer KulturwissenschaftlerBernd Stickfort das Internet als enzyklopädische Utopie. Die hier umrisseneThemenvielfalt veranschaulicht auch, dass die Begriffe ,, Enzyklopädie“ und,, enzyklopädisch“ bewusst weit gefasst und nicht nur textgebunden ver-standen wurden.( SB)
RITTERSBACHER, Christa: Frau und Mann im Sprichwort. Einblickein die sprichwörtliche Weltanschauung Großbritanniens und Amerikas(= Heidelberger Frauenstudien, Bd. 9). Heidelberg, Wunderhorn Verlag,2002, 332 Seiten, Tabellen.
Dass Frauen in Sprichwörtern schlecht behandelt werden, ist ein Gemein-platz. Ihn zu hinterfragen, stellte sich die deutsche Anglistin Christa Ritters-bacher in ihrer hier vorliegenden Dissertation als Aufgabe. Auf der Grund-lage von zwei einschlägigen Lexika, dem Dictionary of American Proverbs( 1992) und dem Oxford Dictionary of English Proverbs( 1970), analysiertsie die geschlechtsspezifischen Aspekte von Sprichwörtern des anglo- ame-rikanischen Sprachraums. Zum ersten Mal werden dabei die geschlechtsspe-zifischen Stereotypen beider Geschlechter berücksichtigt. Die Autorin be-tont eingangs, dass sie sich nicht- wie häufig üblich- auf die Sammlungund Analyse von negativen Frauenbildern in Sprichwörtern beschränkt,sondern auch die positiven miteinbezieht. In ihrem Resümee kann sie dannallerdings drastische Unterschiede in der Darstellung der Geschlechter nicht