Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

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TOMKOWIAK, Ingrid( Hg.): Populäre Enzyklopädien. Von der Aus-wahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. Zürich, Chronos Verlag, 2002,306 Seiten, s/ w- und Farb- Abb.

Der vorliegende Band enthält die Beiträge eines interdisziplinären Sympo-siums über populäre Enzyklopädien, das von der Abteilung EuropäischeVolksliteratur der Universität Zürich im Oktober 2001 veranstaltet wurde.Populäre Enzyklopädien werden dabei als Scharnier zwischen Wissenschaftund Alltagswissen verstanden. Sie speichern das für nötig erachtete Wisseneiner Zeit und vermitteln es einem breiteren Publikum. Je nach dem zugrun-deliegenden Wissensverständnis und je nach Programmatik und Tradition,in die sie sich stellen, heißen sie zum Beispiel auch Speculum, Kompendi-um, Katalog, Thesaurus, Lexikon, Handbuch oder Hausbuch. Ihre Zielset-zungen variieren beträchtlich: eine Enzyklopädie kann den Stand des er-reichten Wissens und Könnens dokumentieren oder moralisch belehren,praktische Kenntnisse vermitteln oder bestimmte Anschauungen verbreiten,oder auch dazu dienen, zum Lob Gottes die Schönheit und Perfektion derSchöpfung sichtbar zu machen. Die inhaltliche und formale Gestalt vonEnzyklopädien kann also ganz unterschiedlich ausfallen, alle erheben sieaber einen gewissen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Bandbreite an unterschiedlichsten Formen von populären Enzyklo-pädien entspricht auch jene der versammelten Beiträge, wobei durch diejeweilige fachliche Herkunft der Autorinnen und Autoren zusätzlich spezi-fische Akzente gesetzt werden. Gefragt wird nach den jeweiligen Organisa-tionssystemen des Wissens, dem zugrundeliegenden Verständnis von Gott,der Welt, der Geschichte, den Dingen und den Menschen, der Position undFunktion einzelner Personen, Werke, Gattungen und Konzepte. Historischgesehen spannt sich der Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Derehemalige Zürcher Ordinarius für Europäische Volksliteratur Rudolf Schen-da, dessen Andenken der Band gewidmet ist, liefert mit ,, Hand- Wissen eineVorgeschichte der großen Enzyklopädien am Beispiel von Handbüchernund Klein- Enzyklopädien des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.Der Zürcher Germanist Paul Michel beschäftigt sich in seinem Beitrag,, Ordnungen des Wissens" mit den Besonderheiten und Bedingungen enzy-klopädischen Arbeitens. Mit der Weltsicht populärer Enzyklopädien desarabisch- islamischen Raumes setzt sich der Göttinger IslamwissenschaftlerUlrich Marzolph auseinander, mit der Stellung des Universal gelehrtenAthanasius Kircher zwischen den modernen und vormodernen Wissenschaf-ten und dessen Positionierung im Wissenschaftsdiskurs der Würzburger

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