Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Dabei werden, wo immer möglich, biographische Exkurse eingeschoben,über die ausführenden Kunsthandwerker wie auch über das technischeWerkstattpersonal des Instituts. Und diesem biographischen Zugang folgtBesenfelder auch in den weiteren Kapiteln ihrer Arbeit, die immer wiederEinschübe zu den Akteuren der jeweils abgehandelten Themenbereichebieten ob es dabei um Infrastruktur, Ökonomie und Ausstattung desInstituts geht, um seinen Lehr- und Ausbildungsbetrieb( wobei etwa auchdie Schüler bzw. Dissertanten Bebermeyers vorgestellt werden), um dieForschungsschwerpunkte seiner Mitarbeiter oder schließlich um seine wei-tere Entwicklung während des Krieges und danach.

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Dass Bücher ihre Geschichte haben, und zwar pro captu lectoris, giltauch für das hier angezeigte. Bei der Lektüre der ausführlichen und gedul-digen Arbeit mag vielleicht mancher Nicht- Tübinger der einen oder anderenAusführung mit verhaltenerem Interesse begegnen. Er hätte dann allerdingsnicht jenes Ceterum censeo Walter Benjamins im Sinn gehabt, an das dieAutorin sich offensichtlich gehalten hat- dass nichts, was sich jemalsereignet hat, für die Geschichte verloren zu geben ist.

Herbert Nikitsch

FALCH, Sabine: Heimatfern. Die Südtiroler Arbeitsmigration der 1950erund 1960er Jahre(= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Bd. 17).Innsbruck/ Wien/ München/ Bozen, Studien Verlag, 2002, 247 Seiten, 28 Abb.

Ein bislang noch kaum aufgearbeitetes Kapitel aus der jüngeren GeschichteSüdtirols steht im Zentrum des Buches von Sabine Falch¹: die primärarbeits- und ausbildungsbedingte Abwanderung in den ersten Jahrzehntennach dem Zweiten Weltkrieg- und in Zusammenhang damit das Entstehenund der Ausbau einer Betreuungsstelle für die so genannten, Heimatfer-nen".

Im Zoom- Verfahren setzt die Autorin Abschnitt für Abschnitt inhaltlichwie methodisch und in einem klar strukturierten, systematischen Aufbaueinen sukzessive größer werdenden Beobachtungsmaßstab an. Als Auftaktstehen zunächst ,, Rahmenbedingungen und Ausmaß der Südtiroler Arbeits-migration" entlang von Push- und Pull- Faktoren zur Debatte( S. 17 ff.).Wirtschaftliche Phasen verzögerungen und andere Strukturprobleme, in denBereichen Ausbildung, Arbeitsbeziehungen und Bezahlung etwa, bewogen

1 Es handelt sich dabei um die publizierte Fassung ihrer Dissertation, die sie imJahr 2001 an der Universität Innsbruck abgeschlossen hat.