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Chronik der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
Herder- Preis 2003
Würdigung für Prof. Károly Manherz, Ungarn
Am 9. Mai 2003 wurden in der Universität Wien die diesjährigen Herder-Preise der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S Hamburg verliehen. Zu den Preis-trägern, die als Wissenschaftler und Künstler mit dem Wort umgehen unddas Wort als Gegenstand erforschen, gehört der Germanist und Sprachwis-senschaftler Prof. Dr. Károly Manherz aus Budapest, ein durch zahlreicheGastvorträge und Gastprofessuren in Deutschland und Österreich interna-tional anerkannter Forscher und akademischer Lehrer.
Herr Prof Manherz( Jg. 1942), der aus einer ungarndeutschen Familiestammt, studierte 1961 bis 1966 in Budapest Germanistik und Ungarischund arbeitete anschließend dort zunächst als Gymnasiallehrer für Deutschund Ungarisch. Dabei hielt er ständigen Kontakt mit der Universität undwurde dort 1968 mit der Dissertation über die„ Deutschen Mundarten imPilisch- Gebirge“, seiner Heimat, promoviert und ab 1970 mit Lehraufträgenfür Vorlesungen und Seminare u.a. zur deutschen und ungarischen Dialek-tologie und Sprachsoziologie am Lehrstuhl für Germanistik betraut. Bereitsdrei Jahre später, 1971, habilitierte ihn die Ungarische Akademie der Wis-senschaften aufgrund der Schrift ,, Sprachgeographische und sprachsoziolo-gische Stratifikation der deutschen Mundarten in Westungarn“, die Grund-lagenforschung zu einer zuvor nicht bearbeiteten Sprachlandschaft aussprachsoziologischer Sicht bereitstellt.( Sie ist 1977 publiziert worden.)1977 bis 1978 war er als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftungin Marburg und München, 1981 wurde er zum Dozenten und Leiter desLehrstuhls für Romanistik und Germanistik an die Philosophische Fakultätder Eötvös Universität berufen. In der Fakultät hatte er 1984 bis 1987 dieFunktion des Prodekans, von 1987 bis 1989 die des für Auslandsbeziehun-gen der Universität zuständigen Prorektors inne. Die folgenden vier Jahrewaren von intensiver Mitarbeit bei der politischen Um- und NeugestaltungUngarns bestimmt: 1989 bis 1990 war er Vizeminister für Kultur undBildung und als solcher verantwortlich für Wissenschaft, Forschung undHochschulwesen. Er hat sich intensiv um den Anschluß Ungarns an daseuropäische Hochschulwesen verdient gemacht, u.a. als einer der Initiatorender TEMPUS- und PHARE- Programme und als Mitwirkender an der Grün-dung zahlreicher Stiftungen. Nach dem Regierungswechsel 1990 wurde erzunächst als Staatssekretär in das Ministerium für Kultur und Unterrichtberufen, ab 1. März 1991 wechselte er in der gleichen Funktion in dasMinisterpräsidentenbüro, wo er für Fragen der ungarländischen ethnischenMinderheiten zuständig war und für einen sachbezogenen und nüchternen