Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVII/ 106, Wien 2003, 325-346
Mitteilungen
Feuerbräuche in Tirol
Bemerkungen zu gegenwärtigen Entwicklungen
Karl C. Berger
In Tirol ist eine neue Dynamik in der Entwicklung der Feuer-bräuche festzustellen. Zentral sind dabei die Motivationen derBrauchträger. Diese reichen von finanziellen Anreizen, überdie touristische Vermarktung bis hin zu Bräuchen, die alsEvent veranstaltet werden. Politisch motivierte Feuer, wie sienoch in den 60er Jahren zu sehen waren( ,, Südtirol“) spielennur mehr eine untergeordnete Rolle oder wurden von neuentstandenen, gegen Umweltzerstörung und Transit gerichte-ten Feuern abgelöst. Innovation und Modernisierung führtenso zu einer Neubelebung der Bräuche.
I.
,, Welch schönen Anblick in heiterer Juninacht die durch's ganze Tal an dendunklen Bergwänden und Jöchern zerstreuten Feuer gewähren, weiß jeder,der dieses erhebende Schauspiel von einem günstigen Platze aus ansieht.Besonders der Blick in einmündende Seitentäler, z.B. von Bruneck insTauferertal ist bezaubernd. Auf den Jöchern werden die Feuer im Unterinn-tal meist von den, Albingern'( Almleuten- Sennern) entzündet. So konnte mannoch in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf den Spitzen desSonnwendjoches stets zwei mächtige Feuer sehen." 1
Diese schwärmerischen Zeilen stammen aus der Feder Ludwig vonHörmanns. Mit seinen- wie er im Vorwort zu seinem Werk ,, Tiroler Volks-leben" schreibt-„ naturwahren Schilderungen“ wollte er ein„ getreuesSpiegelbild des, tirolischen Volkslebens' der Gegenwart“ geben. HörmannsEifer war getrieben durch die Vorstellung von einem„ Niedergang desVolkslebens" durch ,, das Eindringen der neuzeitlichen Kultur" 2 seit der
1 Hörmann, Ludwig von: Tiroler Volksleben. Ein Beitrag zur deutschen Volks- undSittenkunde. Stuttgart 1909, S. 118.
2 Hörmann: Tiroler Volksleben( wie Anm. 1), S. VII.