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Nina Gorgus
ÖZV LVII/ 106
Kaiserin Marie- Louise, am 25. August 1811 wurde das Hameau zumOrt eines großen Spektakels: ,, Des scènes villageoises furent ensuiteprésentées au Hameau par des acteurs portant des costumes régionauxde toutes les provinces de l'Empire“.31 Hier wurde also bereits imkleineren Stil das verwirklicht, was sich Jahrzehnte später die Kolo-nial- und Weltausstellungen zu eigen machten und die solche Inszenie-rungen mit Menschen zur Massenbelustigung institutionalisierten.³2
Nach dem feudalen Auftakt im 19. Jahrhundert geriet das Hameauetwas in Vergessenheit. Im Jahr 1867 organisierte Kaiserin Eugénieim Rahmen der Pariser Weltausstellung im Petit Trianon eine Schau,zu der Gegenstände aus dem Besitz von Marie- Antoinette zusammen-getragen wurden. Vor allem Lescure wollte hier die Königin rehabi-litieren. Er trug auf diese Weise dazu bei, Marie Antoinette und ihrWirken zu verklären, aber auch dazu, eine nicht mehr ganz so emo-tional geführte Auseinandersetzung zu ermöglichen. 33 Bereits zuvor,während der Musealisierungsmaßnahmen durch Louis- Philippe inden 1830er Jahren, wurden die noch vorhandenen Gebäude des Ha-meau an den Fassaden mit Holzbordüren versehen, die an Architek-turelemente eines Schweizer Hauses erinnern sollten. So nimmt eskaum wunder, dass Ende des 19. Jahrhunderts das Hameau in einemVersailles- Führer noch als„ village suisse“ vorgestellt wird. 34 Diesverweist zugleich auf die Tradition der Weltausstellungen und ihreethnographischen Dörfer. Gerade in Paris 1867 stellte man ein ausnur wenigen Häusern bestehendes ,, österreichisches“ sowie ein ,, rus-sisches" Dorf vor.35 Indem an die erfolgreichen Präsentationen ange-knüpft wurde, konnte das Hameau eine Aufwertung erfahren und auchtouristisch interessant werden. Das Petit Trianon, das Hameau undder englische Landschaftsgarten standen lange Zeit jedoch nicht imZentrum der Versailler Musealisierungsbestrebungen. Dies hat damitzu tun, dass aufgrund der Größe des Versailler Schlosses und seinerDomäne stets dringlichere Aufgaben zu bewältigen waren. Auchspielt das ambivalente Verhältnis des französischen Staates zumVersailler Schloss eine Rolle. Das politische Erbe des Absolutismus31 Heitzmann( wie Anm. 5), S. 30.
32 Vgl. dazu von Plato, Alice: Präsentierte Geschichte. Ausstellungsarchitektur undMassenpublikum in Frankreich im 19. Jahrhundert. Frankfurt am Main 2001.33 Himmelfarb( wie Anm. 24), S. 278. Katalog siehe Lescure( wie Anm. 18).34 Joanne, Adolphe: Versailles et les Trianons. Palais, Musée, Jardins. Paris o.J.( 1870), S. 180.
35 Für diesen Hinweis bedanke ich mich bei Dr. Martin Wörner, Münster.